Nach einer längeren Pause gibt es wieder ein Interview für die Serie: Läufer-Interviews. Im heutigen Interview beantwortet die Läuferin Nadin
18 Fragen zum Thema Laufen, Yoga und auch zum eigenen Blog “eiswuerfel im schuh“. Läuferinnen und Läufer, die ebenfalls Interesse an einem Interview haben, dürfen sehr gern Kontakt zu mir aufnhemen. An
dieser Stelle aber erst mal viel Spaß beim Lesen.
1. Hallo Nadin, stell Dich mal vor: Wer bist Du? Was machst Du?
Einige kennen mich ja bereits als Din von ‘eiswuerfel im schuh’, meinem Blog. Als begeisterte Läuferin interessiert mich natürlich auch alles rund um sportliche Mode, Laufzubehör, Schuhe und alles was dazu gehört.
2. Wie bist Du zum Laufen gekommen? Gab es einen besonderen Grund mit dem Laufen zu beginnen oder hattest Du schon immer den Drang nach Bewegung?
Sport war immer ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben und es ist für mich gesundheitlich erforderlich, damit sich mein Asthma nicht verschlimmert. Nach vielen unterschiedlichen Stationen von Gymnastik über Leichtathletik, Handball und Basketball habe ich vor etwa vierzehn Jahren die Lust am puren Laufen entdeckt und seit dem hat der Spaß daran nie aufgehört. Die Bewegung steckt in mir, es ist schwer zu beschreiben, aber Läufer wissen sicher, was ich meine.
3. Neben dem Laufen machst Du auch noch Yoga. Warum Yoga und was bringt es Dir?
Yoga ist für mich einerseits Ausgleich, Ausgleich vom Alltag und vom Laufen, aber ersetzt mir andererseits auch gleichzeitig die ungeliebten Stabilisationsübungen, die ja in jedem Trainingsplan für Läufer auftauchen.
Seit ich Yoga praktiziere habe ich keine Probleme mit ungedehnter oder verhärteter Muskulatur. Ich bin wieder viel flexibler geworden, habe sowohl meinen Rumpfbereich, wie auch die Arme und sogar Beine kräftigen können. Außerdem hilft es mir, meine Verspannungen zu lösen, meine Wirbelsäule flexibel zu halten und richtig abzuschalten.
4. Macht Laufen wirklich ruhiger und ausgeglichener und was sind Deiner Meinung nach die Gründe dafür?
Für mich ist Laufen die perfekte Möglichkeit am Morgen munter zu werden, frisch in den Tag zu starten und Energie zu schöpfen, was erst einmal etwas anderes als Ruhe verspricht. Es macht mich aber tatsächlich in dem Sinne ruhiger, dass ich gelassener in den Tag starte und ihn mit etwas beginn, was ich sehr gerne mache.
Natürlich bin ich auch viel ausgeglichener wenn ich am Tage oder Abend eine Runde drehe und mich einfach an all dem erfreuen kann, was ich dabei erlebe. Man lernt die kleinen Dinge zu schätzen, auch wenn es kitschig klingt – man hört die Vögel viel lauter zwitschern, man sieht, wie die Natur sich über das Jahr hin entwickelt und wie gut es nach einem Regenschauer duften kann.
5. Es gibt mittlerweile die unterschiedlichsten Laufmöglichkeiten: Große Stadtmarathons, Wald- und Wiesenläufe, Trails, Bergläufe usw. Bei welchen Laufveranstaltungen fühlst Du Dich am wohlsten und warum?
Einen Trail und Berglauf möchte ich unbedingt mal mitmachen, aber bis jetzt sind kleine Laufveranstaltungen, die durchaus über Feld und Flur gehen können, ganz meins. Ich mag die familiäre Atmosphäre, den stressfreien Ablauf und die herzlichen Zuschauer, die tapfer bis zum Schluss durchhalten und jedem noch kurz vor dem Ziel zurufen, dass man es fast geschafft hat.
Bei meinem letzten Marathon habe ich wieder einmal erfahren, wie hektisch es bei einer Massenveranstaltung zugehen kann und dass ich dafür noch etwas wenig Lauf- bzw. Wettkampferfahrung habe. Das soll sich jetzt ändern, denn ich kann auch diesen Läufen durchaus etwas abgewinnen, muss es aber nicht bei jedem Lauf so haben.
6. Ich gewinne oft den Eindruck, dass Menschen sich und Ihren Körper überfordern, Hof und Garten versorgen müssen. Sport muss auch noch sein und eine gesunde Ernährung ist Pflicht. Oft erscheint es wie ein Zwang und es ist fraglich, ob dies der Weg zur Zufriedenheit sein kann. Wie gehst Du mit diesem Leistungsdruck, immer die “Frau” stehen zu müssen, um?
Natürlich gibt es viele Herausforderungen und Pflichten, denen wir uns immer gegenübergestellt sehen, aber ich fühle mich nicht so, als würde ich irgendetwas aus einem Zwang heraus machen. Ich habe noch nie das Gefühl verspürt, dass irgendjemand etwas von mir erwarten würde und ich deshalb unter Druck gerate. Der Sport ist ganz allein für mich und egal wie umfangreich mein Plan ausfallen mag, der Spaß und die Lust am Laufen stehen im Vordergrund. Natürlich gibt es Durststrecken in harten Trainingswochen und wenn ich keine Lust zu etwas habe, dann lasse ich es, auch das Laufen.
7. Wie wichtig ist in Deinen Augen das Verständnis der eigenen Familie für das Training und dem Sport allgemein?
Mein Sport bestimmt zwar nicht mein gesamtes Leben, aber ich richte vieles danach aus. Meine Familie steht zwar an erster Stelle, dennoch kann es natürlich immer zu Überschneidungen kommen und da ist das Verständnis der Familie schon das ein oder andere Mal gefordert. Die zieht glücklicherweise mit, auch wenn ich noch niemanden zum Mitlaufen animieren konnte. Sie motiviert mich aber und jubelt mir auch im Ziel entgegen.
8. Werden Laufzeitschriften bald vom Internet komplett abgelöst oder werden sich die besten Deiner Meinung nach noch einige Jahre halten? Welche Laufzeitschriften liest Du selber gern und warum?
Meines Erachtens können und werden sich beide Medien in den kommenden Jahren weiterentwickeln und nebeneinander bestehen. Natürlich haben Print Magazine im Internet eine große Konkurrenz, was sich sicher auch in den Absatzzahlen bemerkbar macht. Aber es ist auch eine große Chance für sie selbst, das Internet als Plattform zu nutzen und neue kreative Ideen, wie man ein Magazin interessant gestalten kann, zu entwickeln. Ich denke dabei zum Beispiel an die Inhalte und Aufmachung aber auch an Applikationen und Magazin-Downloads.
Jedes Medium hat seine eigene Zielgruppe und für mich kommt es zudem auf den Moment an; so greife ich beispielsweise gern unterwegs auf gedruckte Seiten zurück, einfach um auch etwas anderes als das Handy in der Hand zu haben oder vor dem PC zu sitzen.
Ich lese sehr gern das Runners Point Kundenmagazin, dessen Inhalte und Aufmachung mich überzeugen. Es ist zudem kostenfrei komplett online und in den Runners Point Geschäften erhältlich ist.
Außerdem lese ich sehr gern die Runners World, von der ich auch mal ein Abo hatte, weil ich mich sehr gut informiert und unterhalten fühle. Es gibt derzeit eine „Frauen-Ausgabe“ im kleinen Pocket-Format, was sehr praktisch ist; aber etwas schicker könnte sie sein; wir Frauen sind doch an Hochglanzmagazine gewöhnt.
9. Was würdest Du Laufeinsteigern auf dem Weg zur einer “Laufkarriere” mitgeben?
Meine ersten Laufschritte waren ganz klein und gemütlich. Ich würde empfehlen genau auf den Körper zu hören und sich langsam ans Laufen zu gewöhnen. Kein Angst vor ganz langsamen Tempo, auch wenn einen andere wie verrückt überholen.
10. Immer wieder ist zu beobachten, dass Läufer zu Schmerztabletten und andere Mittelchen greifen, um einen Lauf schmerzfrei zu überstehen. Wie stehst Du dazu und ist es nicht auch eine Form von Betrug am eigenen Körper und den Mitläufern?
Fraglich, ob man dann noch von Spaß und Lust am Laufen sprechen kann. Für mich steht außer Frage, dass ich zu Tabletten oder anderen Mitteln greife, um einen Lauf zu überstehen. Man betrügt sich nicht nur selbst, sondern man tut seinem Körper damit absolut keinen Gefallen, denn es gibt schließlich einen Grund, warum man Schmerzen hat.
Andere Mittelchen sind für mich nur Grüntee, Matcha & Mate, um ausreichend zu trinken und nach intensiven Läufen schnell wieder fit zu werden.
11. Du hast selbst einen Laufblog, stelle bitte mal Deinen Blog etwas genauer vor.
‚eiswuerfel im schuh’ zeigt, welche Fortschritte ich beim Laufen mache, wie ich trainiere und was mich sonst so beschäftigt. Hauptsächlich geht es um Laufschuhneuheiten, Ernährung (Tees sind ein absolutes Faible von mir), Yoga, Sportbekleidung und Zubehör. Ab und an teste ich auch meine Sportsachen und zeige meinen Lesern die Vor- und Nachteile der einzelnen Produkte auf.
12. Was ist für Dich schöner und angenehmer, nach Lust und Laune zu trainieren oder nach Trainingsplan?
Ich habe für viele Jahre ohne jegliche Wettkampfambitionen mit viel Freude trainiert, mich dann allerdings gefragt, ob ich nicht mehr kann und Pläne helfen mir meine Ziele zu verfolgen. Ich genieße die Phasen sehr, in denen ich einfach nur vor mich hinlaufe und die für mich wichtig sind, um am Ball zu bleiben, Neues auszuprobieren, umherzutrödeln oder im Urlaub neue Gegenden zu erkunden. Ich richte nicht das komplette Jahr nach einem Plan aus und in meiner Saisonplanung geht es auch etwas drunter und drüber. Ich entscheide mich relativ kurzfristig für einen Wettkampf, da ich immer schauen muss, wie mein Körper so drauf ist. Pollenbelastung und Wetterumschwünge belasten mich manchmal sehr, so dass ich keinen Plan für ein Jahr aufstellen kann, aber auch nicht möchte. Entscheide ich mich für eine Sportveranstaltung, habe ich meist einen Plan für acht bis zwölf Wochen, den ich auch immer einhalte.
13. Gerade hast Du einen Blogartikel zum Thema Weltläufer geschrieben. Wo ist nun der schönste Ort auf dieser Welt zum laufen?
Bis jetzt war es überall, wo ich war, wirklich schön; ob nun durch die Dresdner Altstadt oder den Londoner Hyde Park. Mein absoluter Favorit ist aber der Lake Shore Drive in Chicago, denn man ist in wenigen Minuten von der Innenstadt am Michigan See, sieht wie die Hochhäuser immer kleiner werden und der Wind an fast jedem Tag des Jahres kühl vom See einem entgegen weht. Aber ich freue mich auch nach einem langen Urlaub auf meine ‚Hausstrecke’ und das vertraute Gefühl, das ich beim Laufen dort verspüre.
14. Welche Laufschuhe trägst Du beim Laufen am liebsten und was macht diese Schuhe so besonders?
Ich laufe sehr gern in den Brooks Glycerin, Nike Free 3.0 und Green Silence; habe aber, wie es bei Frauen so üblich ist, noch einen weit größeren Laufschuhpark. Da entscheidet manchmal schon das Äußere, aber natürlich lege ich großen Wert auf die Funktionalität eines Schuhs und die Technologie, die dahinter steckt.
Der Brooks Glycerin hat eine sehr gute Passform, auch wenn man schmale Füße hat, bietet eine gute Dämpfung und Stabilität, die bei längeren Strecken notwendig ist, ohne unflexibel zu sein. Außerdem sind sie an den Knöchel sehr weit ausgeschnitten und weich gepolstert. Da habe ich bei vielen Schuhen immer so meine Probleme.
Der Nike Free 3.0 kommt zum Einsatz, wenn ich schnelle Läufe wie Intervalle oder Tempoeinheiten plane, weil er so unglaublich flexibel ist und den Fuß richtig arbeiten lässt. Der Green Silence ist mein Schuh für mittlere Distanzen, weil er als Lightweighttrainer trotzdem über eine gute Dämpfung und Stabilität verfügt.
15. Auf welches Laufutensiel würdest Du ungern verzichten und warum?
Eigentlich bin ich von nichts wirklich abhängig außer natürlich von meinen Schuhen und meiner Kleidung. Ich laufe aber sehr gern mit meiner Forerunner 210, die mir die Sicherheit gibt, meinen Plan einzuhalten (mit Geschwindigkeiten und gleichmäßigem Tempo habe ich so meine Schwierigkeiten) und meiner Laufsonnenbrille. Beides würde ich sehr vermissen, wenn ich sie nicht mehr hätte.
16. Was war für Dich bisher das schönste Lauferlebnis und erkläre bitte warum?
Vermutlich ist es mein zweiter Marathon gewesen, den ich in Rostock gelaufen bin. Natürlich ist es ein kaum zu beschreibendes Gefühl seinen ersten Marathon zu finishen, aber der lief außer Konkurrenz. Es gab kein genaues Zeitziel, ich wollte einfach nur sehen, wie es sich anfühlt, so eine Strecke zu laufen und ob ich sie gesundheitlich überstehe (da ich Asthma habe, war es für mich schwer einzuschätzen, wie das endet). Bei meinem zweiten Marathon war es dann ganz anders, denn ich wollte in einer bestimmten Zeit im Ziel sein und ich hatte einen Plan, den ich penibel verfolgte. Tatsächlich fand ich eine tolle Gruppe, die mich mitgezogen hat, über die komplette Strecke – ich fühlte mich unglaublich gut unterhalten, die Zeit verflog und ich erzielte ein gutes Ergebnis – es war einfach ein perfekter Lauf.
17. Gibt es für Dich Persönlichkeiten aus dem Sportbereich, die Du als Vorbild für Dich siehst? Was macht diese Personen so besonders?
Das ist eine schwierige Frage, denn ich bin eher so ein Sportler, der einen Sport ausübt, aber ihn sich beispielsweise nicht im Fernsehen anschauen würde. Ich orientiere mich an den ganz normalen Mitläufern, die Familie haben, die einen Beruf ausüben und versuchen alles unter einen Hut zu bringen. Ein direktes Vorbild habe ich also nicht, aber ich bewundere einige Sportler für Ihre unglaublichen Leistungen, wie beispielsweise die Läuferin Paula Redcliffe, den Surfer Kelly Slater oder den Basketballer Michael Jordan.
18. Vielen Dank für das Interview. Was sind Deine persönlichen sportlichen Ziele für das restliche Jahr 2011?
Ich danke dir, dass ich die Gelegenheit hatte, mich auf deiner Seite vorstellen zu können!
Ich werde vermutlich in den nächsten Wochen einen Halbmarathon laufen und vielleicht auch einen 10 Meilen Lauf. Das wäre eine Premiere für beide Strecken, also sind Bestzeiten schon einmal vorprogrammiert. Vielleicht werde ich im Spätsommer auch noch einmal einen Triathlon ausprobieren, denn mein Debüt im letzten Jahr lief nicht so schlecht und es hat wirklich unglaublich Spaß gemacht.

Hallo Heiko, auf diesem Wege noch einmal lieben Dank für das Interview und die Möglichkeit, dass ich mich so vorstellen konnte! Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich freue mich, auf weitere interessante Beiträge von dir hier auf deiner Seite.
Hallo Din,
gern doch. Mal schauen was so die nächsten Beiträge werden
Mal wieder ein schönes Interview. Danke euch beiden!