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Läufer Interview: Denn im Laufen entdeckst du dich selbst

Sven Müller liebt die langen Strecken und berichtet in diesem Läufer Interview ausführlich darüber. Und er gibt auch einen kleinen Einblick in sein Buch “100 Kilometer zu Fuss um Jena – denn im Laufen entdeckst du dich selbst”.  Läufer, Laufveranstalter usw. die auch einmal Lust auf solch ein Interview haben können gern Kontakt zu Laufen Marathon aufnehmen. Weitere Informationen zu dieser Interview-Reihe gibt es hier - Läufer gebt mir ein Interview.

1. Hallo, stell Dich mal vor: Wer bist Du? Was machst Du?
Mein Name ist Sven Müller, 36 Jahre jung und ich bin hauptberuflich bei Siemens als Lean Expert beschäftigt. Im Nebenberuf arbeite ich als Dozent in der Führungskräfteausbildung für die IHK Gera sowie seit Ende 2010 als Autor des Buches “100 Kilometer zu Fuss um Jena – denn im Laufen entdeckst du dich selbst”. Daher sind gelegentliche Vorträge zu meinen Märschen auch ein Thema. Man findet mich bei Facebook und auch bei Xing.

2. Wie bist Du zum Laufen gekommen? Gab es einen besonderen Grund mit dem Laufen zu beginnen?
Ja, es gab einen (oder gleich mehrere). Und hier gleich ein kleiner Auszug aus meinem Buch :-)

Dezember 2008. Eine heftige Magen-Darm-Verstimmung lies mich 3 Tage auf der Wohnzimmercouch liegen, genau zwischen Weihnachten und Silvester. Da lag ein Buch auf dem Tisch: „Ich bin dann mal weg…“ von Hape Kerkeling. Nun gut, ich hatte also Zeit und Muse zum Lesen. Also las ich es. Schnell. Sehr schnell. Wieder genesen frönte ich abends meinem zweiten Hobby: Xing. Als damaliger Moderator einer kleinen Gruppe bekam ich Kontakt zu 2 Personen, die mein Leben massiv beeinflussen sollten: Wolfgang aus Irland und Jens aus Frankfurt. Erster kein Unbekannter in der Läuferszene, Zweiter ein damals frischgebackener Ultraläufer. Ich sprach über das Buch und mein Vorhaben etwas ähnlich Großes zu tun. Bloß fehlte bisher die Zeit und Überwindung dafür. Denn es ging nicht um 5 Kilometer Joggen oder um die jährliche 20 Kilometer Männertagstour. Es ging um mehr. Es ging um 100 Kilometer, die innerhalb von 24 Stunden zu Fuß zurückgelegt werden sollten. Eigentlich so simpel: 100 in 24. Kernig und knackig. Präzise. Parallel dazu hatte ich, bedingt durch lukullische weihnachtliche Genüsse, etwa 4 Kilogramm zugenommen. Die, wie sollte es auch anders sein, sich hauptsächlich um meine Hüftpartien positioniert hatten. Das viel natürlich irgendwann auf. Und bewegte meine bessere Hälfte dazu, mir ihr „ja“ für diese sportliche Herausforderung zu geben. Wunderbar. Es konnte nun losgehen. Und es ging auch los.

3. Macht Laufen ruhiger und ausgeglichener und was sind die Gründe dafür?
Ja! Mich befreit Laufen von dem “Alltagsdreck”, der sich so ansammelt. Wobei es wichtig ist, nicht mit einem Sack voll Problemen loszulaufen, sondern irgendwo ein Mindestmaß an seelischer Freiheit zu besitzen. Die Monotonie, die Isolation, das Eins sein mit der Natur ist es, was geistige Freiheit schafft. Vollendete Leere. Denn im Laufen entdeckst du dich selbst….

4. Wo läufst Du im Training am liebsten: im Wald, in Parks oder sogar im Fitness-Center auf dem Laufband? Und warum gerade dort?
Meine Strecke führt mich meistens einen Radweg im Saaletal entlang. Links und Rechts Berge. Laufrichtung Nordost, der Morgensonne entgegen. Gelegentlich Wald. Wiesen und Felder säumen meinen Weg, kleine verzauberte Dörfer “fliegen” dahin. Wunderbar, den Morgennebel durch die Sonne verschwinden zu sehen!

5. Läufst Du gern in der Gruppe oder eher allein und warum diese Entscheidung?
Alleine. Warum? Ich finde fast niemanden, der um die gleiche Zeit losläuft.  Bei den 100tern mindestens immer die ersten 50km in einer Gruppe, die sich vom Tempo her trifft.

6. Es gibt mittlerweile die unterschiedlichsten Laufmöglichkeiten: Große Stadtmarathons, Wald- und Wiesenläufe, Trails, Bergläufe usw. Bei welchen Laufveranstaltungen fühlst Du Dich am wohlsten und warum?
Bisher kenne ich nur Ultraveranstaltungen: 100km Dodentocht und die 100km Horizontale. In 2011 werde ich auch mal kürzere Einheiten von 35km einbinden, zB den Schillerwalk Rudolstadt. Aber auch den 4 Tagemarsch Nimwegen (4x50km).

7. Nenne mal einige schlüssige Gründe warum man ohne Musik im Ohr laufen sollte?
Sicherheit, keine Lust erschreckt zu werden. Eins sein mit der Natur! Lieber singe ich selbst.

8. Laufmuffel klagen gerne darüber, dass sie keine Zeit hätten, sich sportlich zu betätigen. Gründe sind sehr schnell gefunden. Wie schaffst Du es, das Laufen in den Alltag zu integrieren, ohne dabei Stress zu erleiden? Ist es manchmal nicht auch sinnvoll, mal eine Trainingseinheit ausfallen zu lassen?
Es muss Spass machen! Aufgrund der bisherigen 100er hatte ich mein Training auch in die Nachtstunden verlegt, um diese Erfahrung zu sammeln. Start: 03:30, Ende je nach Strecke zwischen 09:00 und 12:00. Dann bleibt für Familie und Arbeit noch genügend Zeit.

9. Was macht mehr Spaß: Der Wettstreit mit anderen Läufern oder das gemütliche Laufen ohne Zeit und Druck?
Definitiv: gemütliches Laufen. Gewürzt mit kleinen Matches unterwegs mit anderen Teilnehmern. Kommt ganz automatisch, kleine Ziele setzen “den überhole ich jetzt noch” .

10. Ich gewinne oft den Eindruck, dass Menschen sich und Ihren Körper überfordern, weil sie neben der Arbeit auch die Familie und Haus, Hof und Garten versorgen müssen. Sport muss auch noch sein und eine gesunde Ernährung ist Pflicht. Oft erscheint es wie ein Zwang und es ist fraglich, ob dies der Weg zur Zufriedenheit sein kann. Wie gehst Du mit diesem Leistungsdruck, immer den “Mann” oder die “Frau” stehen zu müssen, um?
Mut zur Lücke! Setze Prioritäten und handelt auch danach. Passe einen Plan an die Realität an. Family first!

11. Wie wichtig ist für Dich als Läufer das Internet?
Sehr wichtig! Es ermöglicht die beinah grenzenlose Kommunikation mit Gleichgesinnten.

12. Welche sind Deine Lieblings-Laufblogs und bitte eine Begründung dazu?
Aktuell: 72! – 72 Stunden Ultra- Lauf/Marsch, Outdoor & Technik auf Facebook und die “Mutterseite” http://runaboutblog.blogspot.com/
Beides von Wolfgang Gräf – er hat mich maßgeblich zum Ultralangstreckenmarsch gebracht. Und natürlich die Seite meines Buches www.facebook.com/100kmzuFussumJena

13. Die Motivation spielt im Sport auch eine große Rolle. Wie motivierst Du Dich zu immer neuen Taten im Training und/oder Wettkampf?
Wettkampf würde ich das nicht nennen. Es geht nicht um Plätze sondern um Durchhalten! Wenn dann ein Sieg über sich selbst. Wie motiviere ich mich? Jemand sagte einmal: “Da ist ein Weg, ich gehe ihn”. Motivation ist hier für mich: das macht Spass, das mache ich.

14. Was würdest Du Einsteigern auf dem Weg zur einer “Laufkarriere” mitgeben?
Fangt einfach an.

15. Woher kommt Deiner Meinung nach der Drang von Menschen, nach immer größeren Herausforderungen zu streben? Im Laufsport scheint es nach oben mittlerweile kaum noch Grenzen zu geben.
Das ist ein gesellschaftliches Problem.

16. Immer wieder ist zu beobachten, dass Läufer zu Schmerztabletten greifen, um einen Lauf schmerzfrei zu überstehen. Wie stehst Du dazu und ist es nicht auch eine Form von Betrug am eigenen Körper und den Mitläufern?
Schmerztabletten: no go! Nahrungsergänzung (wie z.B. Magnesium, Grünlippmuschel, Teufelskralle, basische Ernährung) sind ok. Auch ein kleiner Wachmacher (Guarana) ist ok – wenn ich ihn brauche. Aber das reicht dann auch.

17. Hast Du selbst einen Laufblog oder bist andersweitig im Laufsport aktiv? Stelle mal Dein Projekt oder die Projekte vor.
www.facebook.com/100kmzuFussumJena

„Warum laufen Menschen 100 Kilometer am Stück, durch die Nacht, ohne Schlaf, bei Regen, bei Kälte und bei Hitze? Was passiert ihnen dabei, was denken und fühlen sie? Ist es die Jagd nach Rekorden, Zeiten, Platzierungen oder doch „nur“ die Selbsterfahrung, die motiviert?
Der Autor Sven Müller ist einer von „denen“, die es schon mehrfach geschafft haben 100 Kilometer am Stück zu laufen. Und er beschreibt am Beispiel der Horizontale Jena seine eigenen Erfahrungen, wie er sich darauf vorbereitete und was ihn alles so währenddessen bewegte. Dabei passierten zuweilen kuriose Dinge und erstaunliche Überraschungen. Doch lesen Sie selbst….”

18. Trainierst Du nach nach Trainingsplänen oder eher nach Lust und Laune? Warum diese Entscheidung?
Abgestimmter Trainingsplan. Mein Ziel ist jährlich ein 100er. Dafür ist mein Training ausgelegt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Im Training sind es dann so 500-600km insgesamt.

19. Sind intensive Planung und beste Technik wirklich für Läufer immer hilfreich oder können sie auch ein Hemmschuh sein?
Mut zur Lücke! Lass Raum für Überraschungen, sie passieren sowieso.

20. Welche Laufschuhe trägst Du beim Laufen am liebsten und was macht diese Schuhe so besonders?
GoreTex Wanderstiefel. Vor allem der Schutz vom Fussgelenk + Nässeschutz ist mir wichtig.

21. Auf welches Laufutensiel möchtest Du nicht mehr verzichten?
Falke TK2 mittelschwer. 2 Paar natürlich.

22. Welche Laufbücher haben dich begleitet und welche würdest du warum empfehlen?
Hape Kerkeling “Ich bin dann mal weg” und Dean Karnazes “Ultramarathon Man”. Ich empfehle beide. Warum? Weil sie ehrlich sind.
Und sobald mein eigenes Buch verfügbar ist – steht es mit ganz oben!

23. Was war für Dich bisher das schönste Lauferlebnis und erkläre bitte warum?
Gegen 05:00, nach 50km durch die Nacht, den Sonnenaufgang zu erleben. Ganz langsam. Jedes Grad Wärme spürst du intensivst, weil es dir Kraft und positive Energie vermittelt. Du wirst schneller. Alles geht leichter. Du läufst!

24. Hast Du schon einmal den Mann mit dem Hammer beim Marathon getroffen? Bitte schildere mal diese Begenung.
Meine mentalen Tiefs habe ich “immer” bei Kilometer 85-95. Bisher war das der Zeitpunkt der höchsten Tagestemperatur und immer nach 8h praller Sonne. Ich zweifelte am Sinn, sah um mich herum nur Leid und Schmerz. Die Füsse sind weiß aufgequollen. Ich will nur liegen oder sitzen. Und kein stilles Wasser mehr trinken :-) ABER: die letzten Kilometerchen reiße ich trotzdem noch!

Autor: Heiko

Mein Name ist Heiko und laufe-marathon.de entstand aus meiner Leidenschaft zum Laufen. Auf "Laufe Marathon" findet Ihr Artikel zum Thema Laufen/Marathon/Fitness - Training, Termine, Laufberichte, Gesundheit, Interviews, Reports, Lauftagebuch, Ernährung. Bei speziellen Fragen zum Training oder zum Personal Training schaut Ihr bitte auf Wache Personal Training nach.

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