Wordcamp 2010 – Ein Läufer auf Abwegen

Am Samstag, dem 03.07.2010, fand das Wordcamp 2010 in Berlin statt. Wie der Name schon vermuten lässt ging es vor allem um WordPress. Für mich war es nach mehreren Anläufen das erste Barcamp überhaupt und ich war sehr gespannt, wie solch eine Veranstaltung abläuft. Dabei waren mir im Vorfeld mehrere Dinge besonders wichtig: Neue Leute kennen lernen, Fachgespräche über WordPress führen und neues Wissen erlangen für den täglichen Einsatz von WordPress.

Morgens gegen 5 Uhr ging es mit dem Zug in Richtung Berlin und welch ein Wunder, die Deutsche Bahn transportierte mich pünktlich bis zum Berliner Hauptbahnhof. Danach ging es mit U- und S-Bahn zum Ort des Geschehens nach Kreuzberg. Ab der U-Bahn Station Moritzplatz gab es sogar Wegweiser bis zum “Betahaus”, was ich sehr gut fand. Meine erster Eindruck zur Location war nicht gerade positiv. Wie bitte kann man im “Betahaus” produktiv und kreativ arbeiten? Das “Betahaus” ist ein nicht ganz unbekannter Coworkingspace. Mag sein, dass ich als Kleinstadt-Mensch ein anderes Empfinden habe, aber ein Lagerhaus oder was das auch immer mal war, welches leicht umfunktioniert wurde, kann mich nicht begeistern.

Das Organisationsteam war sehr freundlich. Beim Betreten der Location und gab es für jeden Teilnehmer ein T-Shirt. Auch war für reichlich Getränke und Essen gesorgt. Gerade Getränke waren bei der Hitze sehr wichtig, denn die Temperaturen lagen schon bei gefühlten 50 Grad.

Nach einigen Minuten meiner Anwesenheit fragte ich mich, wo ich hier gelandet war: Überall IPads, IPhones und Laptops. Bitte schön, wo war die menschliche Kommunikation? Viele waren am Tippen und eigentlich für meine Begriffe nur körperlich anwesend. Tut mir Leid, aber das ist nicht meine Welt. Ging es hier nicht um Erfahrungsaustausch und darum, neue Leute kennen zu lernen? Ich mag den ganzen technischen Kram, aber ich mag es nicht, abhängig davon zu sein und ich kann auch mal mit Menschen sprechen und meine Kommunikation läuft nicht nur auf der virtuellen Ebene. Und ich messe den Menschen mit Sicherheit nicht an der Qualität seines Laptops oder IPads, sondern da zählen andere Attribute.

Nach einer Ansprache und Vorstellung der Organisatoren ging es zum eigentlich spannenden Teil des Tages, den einzelnen Sessions. Und ich ziehe den Hut vor jedem, der den Mut aufbrachte und sich vor mehrere Menschen gestellt hat, um verschiedene Vorträge zu halten. Dazu gehört schon eine ganze Menge Mut, vor allem mit dem Wissen, dass im Publikum Leute sitzen, die auf Fehler lauern. Und ein Barcamp lebt von Menschen, die ihr Wissen teilen und mit anderen diskutieren wollen. Ich empfand es schon als sehr schade, dass es bei 200 Teilnehmern nicht zu viel mehr Sessions gekommen ist.

Da fasse ich mir auch an die eigenen Nase; auch ich hätte zu dem einen oder anderen mir bekannten Thema eine Session führen können. Da es mein erstes Barcamp war, wollte ich aber erst einmal schauen, wie so etwas abläuft und wie solche Sessions von statten gehen. Meiner Wahrnehmung nach gab es natürlich qualitative Unterschiede in den einzelnen Sessions und einige Aussagen klangen ehrlicherweise auch nicht nach wirklich fundiertem Wissen. Als sehr schwierig empfand ich persönlich den Spagat zwischen “Einsteiger-” Wissen und “Profi-” Wissen. Hier einen Mittelweg zu finden, ist durchaus nicht einfach, damit auch tatsächlich jeder von solch einer Veranstaltung was hat. Also noch einmal meinen großen Respekt für die Vortragenden.

Mein persönlicher Höhepunkt war gleich die erste Session von Vladimier Simovic: WordPress und Performance Optimierung. Vor allem der Punkt Komprimieren und besseres Cachen hat mich sehr interessiert und dies werde ich in nächster Zeit noch genauer verfolgen.

Aber leider stellte sich bei der ersten Session das von mir bereits angesprochene Location-Problem ein: Große Räume mit schlechter Akkustik. Eine wirklich schöne Atmosphäre zum Austausch von Wissen boten diese Räume nicht. Und das allergrößte Übel für mich war, dass die einzelnen Vortragsredner kaum zu verstehen waren. Ich denke, bei teilweise 30 – 50 Zuhörern wäre eine kleine Lautsprecheranlage hilfreich gewesen. So war es für Redner wie auch Zuschauer teilweise stressig.

Ein kurzes Fazit zum Wordcamp ist schnell gefällt: Auf der einen Seite sehe ich die Mühe und die Arbeit, die die Organisatoren ins Wordcamp gesteckt haben. Und mir ist aus eigener Erfahrung bekannt, was alles dazu gehört, einzelne Events zu organisieren. Viele Dinge laufen im Hintergrund, die so für einen Besucher nicht ersichtlich und greifbar sind. Und mein größter Kritikpunkt geht tatsächlich an die Auswahl der Location.
Mein Wunsch für das nächste Wordcamp wäre, dass ein umfangreicherer Austausch bzw. fachliche Diskussionen möglich werden.

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3 Kommentare zu “Wordcamp 2010 – Ein Läufer auf Abwegen”

  1. Söan sagt:

    Bei der Location bin ich ganz deiner Meinung, ich hatte auch etwas besseres erwartet und war ziemlich enttäuscht.
    Ein Grund, dass nicht mehr Sessions angeboten wurden, war wohl die WM. Nach 16 Uhr fanden nur noch vereinzelnd Session statt. Sonst waren es doch immer 3 – 4 Sessions gleichzeitig. Welches Thema hätte dich noch interessiert?

    Bist du echt der Meinung, dass der Austausch und die Diskussionen zu kurz kamen? Da bin ich persönlich ganz anderer Meinung. In den meisten Sessions wurde viel rübergebracht und die eigentlichen Gespräche finden ja zwischen den Sessions, in den Pausen und besonders Abends vor, als auch nach dem Camp statt.

  2. Heiko sagt:

    Wie geschrieben es war mein erstes Barcamp und eventuell bin ich auch mit zu hohen Erwartungen nach Berlin gefahren. Themen hätten mich viele interessiert, vor allem zum Thema Sicherheit und SEO hätte ich gern noch mehr erfahren.

  3. André sagt:

    Ich kann dich beruhigen, ich als Berliner fand die Location auch nicht gerade prickelnd. Und das ist gerade für die ärgerlich, die extra nach Berlin gekommen sind.

    Dass mit der Kommunikation ist mir nicht so negativ aufgefallen, aber ich war auch mit ‘nem Freund da, da geht man sowieso weniger auf andere Leute zu, meine ich.

    Vielleicht sollte man bei der Planung noch berücksichtigen, dass es durchaus Bedarf für Diskussionen gibt — ohne einen Vortrag als Grundlage. Da bietet sich dann eine Fragestunde an, die mehrere Leute moderieren. Das wäre für das Thema Sicherheit durchaus machbar.

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