Interview mit der Läuferin Diana
Von Heiko | 18. Februar 2010 | Kategorie: Interviews | Keine Kommentare » TweetWeiter geht es mit der Reihe: Läufer Interviews. Heut stand mir Diana/67dh Rede und Antwort.
1. Hallo Diana. Wer bist Du, was machst Du? Gib mal einen kurzen Einblick in Deine Person. Was war Deine größte Motivation, mit dem Laufen zu beginnen?
Hi, genau, ich bin Diana und seit über 10 Jahren vom Lauffieber befallen.
Und dabei waren Ausdauersportarten anfangs überhaupt nicht mein Fall. Ich brauchte sogar mehrere Anstöße bis ich Gefallen am Laufen fand.
Der erste Abstecher in die Welt des Läufers war dann wohl auch eher aus der Not heraus als wirklich freiwillig. Cooper-Test in der Schule. Was hab ich den gehasst. Aber mit ner 4 oder schlimmer wollte ich mich nicht zufrieden geben. Also zu Hause eine kleine Runde gesucht und diese mehrmals gelaufen in der Hoffnung es würde was bringen. Spaß? Nicht wirklich. Aber erste Wettkampfgedanken keimten auf. War ich schneller als beim letzten Mal? Wer war eher wieder zu Hause, mein Bruder oder ich? Der Cooper-Test fiel dann aber aus, kein Grund und keine Motivation mehr weiterhin zu laufen und meine Laufkarriere war beendet noch bevor sie richtig anfing. Da war ich 15.
Etwa zwei Jahre später ein erneuter Versuch. Diesmal mit dem Ziel etwas Gewicht zu verlieren. Die Kilos purzelten, Ausdauertests in der Schule waren kein Problem mehr. Das Laufen machte auf einmal richtig Spaß.
Ganz um mich geschehen war es nach meinem ersten Wettlauf. Oktober 2001. Da hatte es mich dann so richtig erwischt. Gleich mal Platz 2 in der Altersklassenwertung. Der Ergeiz war geweckt und auf einmal spielten bei meinen Läufen auch Zeiten und Platzierungen eine wichtige Rolle.
Tja, und seitdem bin ich mehr oder weniger erfolgreich bei diversen Laufserien in der Lausitz unterwegs.
2. Was hat sich für Dich im Leben seitdem Du läufst geändert? Welches Lebensgefühl vermittelt Dir das Laufen?
Ich liebe es raus zu gehen und zu laufen. Bei Wind und Wetter. Keine großen Überredungskünste vonnöten. Das Gefühl von ungestört sein. Einfach genießen. Abschalten können. Schlechte Tage vergessen lassen. Allein mit mir und meinen Gedanken. Bewusst in mich hineinhören. Den Körper spüren. Das Jetzt erleben. Laufen bedeutet Glück, Freude, Spaß.
Seitdem ich laufe sind unzählige neue Bekanntschaften in mein Leben getreten von denen ich keine mehr missen möchte. Ich fühle mich wohl, bin so gut wie nie krank (1-2x/Jahr ne leichte Erkältung zählt eigentlich nicht)….ICH WILL LAUFEN!!!!
3. Du trainierst sehr diszipliniert nach Trainingsplan. Warum? Und bist Du nicht auf Dauer irgendwie Sklave einer Vorgabe?
So ein vorgesetzter Plan hat Vor- und Nachteile, ganz klar. Meine Entscheidungsfreiheit habe ich jedenfalls weitestgehend eingebüßt. Als Sklave würde ich mich aber nicht sehen wollen. Habe mich ja freiwillig dazu entschieden. Und so ein langweiliger Standardplan ist es auch nicht. Um ehrlich zu sein bin ich sogar froh darüber, dass mir endlich mal jemand sagt, was zu nem richtigen Training dazugehört.
Ich war jahrelang konsequenter Planverweigerer und Nach-Lust-und-Laune-drauflos-Läufer. Völlig ahnungslos was man denn beachten und in ein Training einbauen sollte. Stagnierende Laufzeiten inbegriffen. Trainer? Plan? Iwo, brauchte ich nicht.
Warum jetzt? Blicke auf Pläne habe ich schon immer mal geworfen, aber nie auch nur ansatzweise damit begonnen, mal einen umzusetzen. Die Idee, es doch mal ernsthaft anzugehen keimte dann Anfang 2009 wieder in mir auf. Der favorisierte Plan/Trainer war auch gefunden, aber der letzte Schritt ließ noch einige Zeit auf sich warten. Ich glaube bald, mein großes Ziel, beim Sparkassen-LaufCup unter die ersten Drei zu kommen hat mich letztendlich zum durchorganisierten Training getrieben. Meine Prognose im Juni sah mich am Ende auf dem undankbaren vierten Platz. Chancenlos gegen die Laufgruppe von Stephan Freigang. Ich musste, oder besser wollte unbedingt schneller werden. Das war dann wohl der Punkt wo ich mir sagte jetzt oder nie. Und da kam dann zum ersten Mal ein Trainer/Trainingsplan ins Spiel. Mit Erfolg.
Waren mir vorher Bestzeiten weitestgehend egal, will ich jetzt wissen welche Steigerungen möglich sind und ernsthaft auf eine Verbesserung hinarbeiten. Und da gehört für mich ein Plan und Disziplin einfach dazu. Es kam auch noch nie der Gedanke auf, einfach mal den Plan Plan sein zu lassen und nach eigenem Ermessen zu laufen. Noch immer ist alles relativ neu und aufregend, da ich das erste Mal überhaupt nach festen Vorgaben trainiere.
4. Dein Trainingsplan wird von einem Trainer über das Internet erstellt. Erzähle uns doch bitte ein wenig über das System von JK Running und wie zufrieden Du damit bist? Wird wirklich auf individuelle Wünsche eingegangen?
Genau. Seit Juli 2009 lasse ich mir meinen Trainingsplan von JK-Running online erstellen.
Am Ende jeder Woche gebe ich dem Trainer die Tage und die mir zur Verfügung stehende Zeit für die kommende Woche über das Internet bekannt und der Plan, den ich daraufhin erhalte, orientiert sich anhand meiner Vorgaben. Nach jeder Trainingseinheit erhält der Coach Rückmeldung und kann sich ein Bild machen, ggf. wird der Plan innerhalb der laufenden Woche angepasst. Nichts Starres. Man hat das Gefühl, einen echten Trainer an seiner Seite zu haben, obwohl man nicht mehr als ein paar Zahlen und Worte in Textform austauscht.
Ob wirklich alle meine Wünsche (heißt bei mir alle meine Wettkämpfe für Laufserien) in Hinblick auf einen finalen Hauptlauf mit angestrebter neuer Bestzeit berücksichtig werden war anfangs meine größte Sorge. Dachte ja, da wird als erstes mein Wettkampfplan drastisch reduziert. Fast jede Woche ein Lauf, manchmal sogar zwei war ja auch nicht ohne. Aber denkste. Alle mir wichtigen Rennen wurden in die Vorbereitung des Hauptlaufs mit eingebaut. Keins wurde mir ausgeredet. Ansonsten habe ich noch keine Wünsche weiter geäußert. Ich bin zufrieden und kann nur von guten Erfahrungen berichten.
Und deren Methode des Online-Trainings funktioniert. Innerhalb von 15 Wochen nach JK-Running-Trainingsplan neue 5km-, 10km- und Halbmarathonbestzeit sprechen ja für sich, oder? Meine Entscheidung, mich in deren Hände zu begeben habe ich jedenfalls bisher in keinster Weise bereut.
5. Niederlausitzcup und Lausitz Laufserie scheinen für Dich sehr wichtige Cups zu sein, bei denen Du ja auch Erfolge verzeichnen kannst. Wie wichtig sind Dir Wettkämpfe und das Messen mit anderen?
Wenn ich Dir jetzt sage, dass ich im letzten Jahr an 50 Wettkämpfen teilgenommen habe erübrigt sich eigentlich jede weitere Ausführung. Wettkämpfe gehören für mich einfach dazu. Ich kann gar nicht ohne. Gut, vielleicht habe ich es mit den 50 etwas übertrieben. Aber es macht mir einfach Spaß mich mit anderen zu messen. Zeiten spielen dabei gar nicht mal so sehr eine Rolle. Der direkte Kampf um Platzierungen, wenn sich das Rennen erst auf den letzten Metern entscheidet und dabei bis an seine Grenzen gehen (was man im Training so nie machen würde), das macht für mich einen schönen Wettkampf aus. Und im Ziel völlig erschöpft sein, sich nach dem Wieso? Weshalb? Warum? fragen, und kurze Zeit später lächelnd bereits das nächste Rennen planen. Und wenn dabei auch noch Erfolge raus springen, was will man mehr.
6. Was macht Dir im läuferischen Bereich am meisten Spaß – Tempo laufen oder einfach gemütliche lockere Läufe – und warum?
Definitiv Tempo. Ich musste bei JK Running erstmal lernen, langsam zu laufen und es stellt für mich immer noch eine Herausforderung dar. Gern nenne ich dieses Langsamlaufen auch mal etwas abwertend „Rumgeschleiche“ und finde es teilweise echt ätzend. Sobald etwas mehr Tempo erlaubt ist blühe ich auf. Intervalltraining? Gerne. Ich will spüren, dass ich was gemacht habe. Dieses Gefühl was geleistet zu haben, sich angenehm oder auch extrem erschöpft fühlen brauche ich. Das macht mir Spaß. Bei den langsamen Einheiten stimmt schon meine Einstellung nicht und ich mache mir die Läufe daher unnötig selber schwer. Mit bisschen Tempo geht alles so viel leichter.
7. Warum treibt es Deiner Meinung nach immer mehr Menschen zu immer längeren Strecken? Wo könnten die Ursachen für dieses Phänomen liegen und was hältst Du davon?
Gute Frage. Mich treibt nämlich überhaupt nichts zu längeren Strecken und ich kann dieses Phänomen echt nicht verstehen. Halbmarathon ist bei mir schon grenzwertig. Im Moment reizt mich überhaupt nichts weiter zu laufen. Später mal, wenn der Kopf dazu bereit ist.
Marathon ist ja ne regelrechte Massenbewegung geworden und die Medien sind da sicherlich nicht ganz unschuldig bei. Leute wie Achim Achilles und zahlreiche Gesundheitsbeiträge treiben die Leute überhaupt erst zum Laufen und da muss es für viele gleich Marathon sein. Wenn schon laufen, dann gleich richtig weit. Verstehe das wer will. Ich halte nicht viel davon. Wahrscheinlich zuviel vom „Runner’s High“ gelesen und dieses Gefühl unbedingt erleben wollen. Scheinbar gehört es mittlerweile schon zum guten Ton, wenigstens einmal im Leben einen Marathon erfolgreich beendet zu haben. Anders kann ich mir das echt nicht erklären.
Und diejenigen, die bereits das Erlebnis Marathon ausgekostet haben suchen nach neuen Herausforderungen und enden dann bei Ultra-Läufen. Immer länger, immer weiter und dabei seine Grenzen ausreizen. Wer Spaß bei solch langen Läufen hat, bitte. Ich bewundere auch jeden Marathon- und Ultra-Läufer. Nur für mich ist das echt nichts. Noch nicht.
8. Was war Dein schönstes Lauferlebnis in Deiner bisherigen Laufkarriere und gab es auch schon mal einen richtig schlechten Lauf, den Du für immer aus dem Kopf streichen möchtest?
Ich hatte schon sehr viele schöne Lauferlebnisse, mich auf eins zu beschränken fällt da verdammt schwer, aber auch so einige, die ich lieber vergessen würde.
Noch ganz frisch in meiner Erinnerung ist der Halbmarathon in Dresden, Oktober 2009. Der wohl bis dato genialste Lauf den ich jemals hatte. Da hatte alles gestimmt. Das Rennen meines Lebens. Und das ich mit feuchten Augen ins Ziel einlaufe war mir bis dahin auch noch nie passiert. Überrascht von der Endzeit. Unbeschreibliche Glücksgefühle. Völlig überwältigt.
Und dass, wo ich gerade einmal zwei Wochen vorher einen Lauf hatte, den ich lieber vergessen würde und ich so richtig an mir gezweifelt hatte. Cottbus, 10 km. Schon nach dem ersten Kilometer war mir alles zuviel. Schwerfällig, überhaupt nicht locker. Und dann auch noch ein Sturz etwa zur Hälfte des Rennens. Vor dem Sturz war es schon nicht leicht, danach ging gar nichts mehr. Total bedient und innerlich lautstark fluchend. Das war echt nicht mein Tag gewesen. Aber was soll’s, kurze Zeit später konnte ich darüber schon wieder lachen. Passiert.
Das Jahr 2009 war insgesamt gesehen voll von schönen Lauferlebnissen. So gut wie auf allen Strecken schneller als in den vergangenen Jahren. Das motiviert.
Außerdem war ich im Juni Teil der Achim-Achilles-Teamstaffel und im November bei der Marathonstaffel im JK-Running-Frauenteam mit dabei (beide Male Berlin). Tolle Erlebnisse. Schöne Erinnerungen. Das vergisst man nicht.
9. Da Du sehr viel in der Lausitz (da es ja Deine Heimat ist) unterwegs bist, an Dich natürlich die Frage: Welche regionalen Laufveranstaltungen kannst Du Läufern empfehlen und was macht diese Läufe so besonders?
Oh man, ich glaube ich bin zu viel unterwegs. Es existieren viel zu viele Läufe die ich empfehlen könnte. Daher beschränke ich mich einfach mal auf meine Top 5.
Mein Favorit und ganz oben auf der Empfehlungsliste, ganz klar der 100km-Staffellauf von Cottbus nach Zielona-Gora bzw. anders herum. Normalerweise ist man als Läufer ja als Einzelkämpfer unterwegs. Hier zählt die Teamleistung. 5 Läufer(innen), 100km, 15 Etappen. Mir zwar nicht immer ganz geheuer, wenn die LKWs dicht an einem vorbeibrausen, dennoch irgendwie faszinierend. Für mich 100% Spaß und das Erlebnis schlechthin.
Auch einer meiner Lieblingsläufe, der Knappenseelauf bei Hoyerswerda. Als Veranstaltungsort dient das Bergbaumuseum, abwechslungsreiche und schöne Strecke um den Knappensee, stellenweise Publikum, sehr gute Verpflegung, Kostümwertung… Tolle Atmosphäre, ist jedenfalls meine Meinung.
Spreewaldmarathon. Wohl die teilnehmerstärkste Laufveranstaltung in der Lausitz und muss man einfach mal erlebt haben. Landschaftlich reizvolle, schnelle Laufstrecke und für Bestzeiten, unabhängig ob nun auf der 10km-, Halbmarathon oder Marathondistanz sehr gut geeignet. Das Besondere: Spreewaldgurken als Verpflegung und in gusseiserner Form als Erinnerungsmedaille.
Hallenmarathon in Senftenberg. Zwischen 1.000m und 50km-Ultra auf einer 250m-Bahn. Null Abwechslung im Streckenverlauf und dennoch nicht langweilig. Ständiges Überholen und überholt werden. Läufe in der Halle hat man auch nicht alle Tage. Kann ich nur empfehlen. Schönes Erlebnis.
Und zuletzt: der Cottbuser Citylauf. Einerseits von mir ungeliebt, da 4x 2,5km-Runden und ich lieber eine große Runde laufe, andererseits eine gute Mischung aus Park und City, viel Publikum, Anfeuerungsrufe, super Stimmung… da wird man einfach mitgerissen.
10. Was sind Deine größten läuferischen Ziele im Jahr 2010?
Noch vor irgendwelchen großen Zielen Bestzeiten betreffend oder Erfolge einzufahren steht für mich den Spaß am Laufen nicht zu verlieren und verletzungsfrei durch die Saison zu kommen. Ansonsten sollen in diesem Jahr die 1:45h im Halbmarathon fallen, die 10km in 45:xx zu laufen wäre ein Traum, und für die 5km ist ne Zeit unter 22 Minuten fällig.
Und nicht zu vergessen: Top 3 Platzierungen bei verschiedenen Laufserien erkämpfen ist auch in diesem Jahr ein erklärtes Ziel.
