Laufstrecke vermessen die Vorgeschichte
So alt bin ich eigentlich noch gar nicht, auch wenn der Eindruck nach dem Lesen der Überschrift entstehen könnte. Ich bin immer wieder erschlagen, wenn ich sehe, welche Hilfsmittel es mittlerweile gibt, um seine Trainingsstrecke zu vermessen. Läufer schleppen halbe Computer auf die Strecke mit, um diese zu vermessen und alles wird immer abenteuerlicher. Ich möchte mich alldem auch gar nicht verschließen und schon überhaupt nicht kategorisch ablehnen, auch wenn es zu meiner Natur als Mensch durchaus passen könnte. Neuem gegenüber stehe ich mitunter zurecht skeptisch gegenüber und teilweise tue ich mich schwer, neue Sachen tatsächlich zu akzeptieren. Habe ich gewisse Dinge dann aber mal probiert und für gut und hilfreich empfunden, dann will ich diese auch nicht mehr missen.
Es gab Zeiten, in denen waren Computer was ganz Schlimmes und schon die Anwesenheit solcher Dinger versetzte mich in Aggression und Schrecken. Damals hätte ich Menschen als bekloppt erklärt, wenn diese zu mir gesagt hätten: Irgendwann wirst Du mit diesen Dingern Deinen Lebensunterhalt bestreiten. So kann es gehen und ich weiche gerade vom eigentlichen Thema ab – Vermessen von Laufstrecken.
Vermessen der Laufstrecke
Groß geworden bin ich in der DDR und dort gab es viele Dinge einfach nicht oder man konnte sich diese nicht leisten und so hatte ich auch kein Tacho für mein Fahrrad Mitte der 80er Jahre. Gewünscht habe ich mir so ein Teil immer, endlich mal sehen, wie schnell ich mit dem Fahrrad fahre und vor allem wieviele Kilometer. Aber als Läufer interessierte mich noch was ganz anderes: Wie lang sind meine Trainingsstrecken. Also habe ich schon zeitig alte Laufbücher gelesen und nach einem vernünftigen Weg zum Vermessen der Laufstrecke gesucht.
So bin ich schon zeitig an Jahren durch meine Heimatstadt gelaufen und habe meine Schritte gezählt und dann die Schrittlänge. Beides wurde multipliziert und ich kam auf ein Ergebnis, das natürlich vorn und hinten nicht gestimmt hat. Davon abgesehen, dass ich mich auch ständig verzählt habe. Jedenfalls wäre ich über einen Kilometer nach dieser Rechnung Weltrekord gelaufen. Erstaunlich eigentlich, dass ich damals schon eine Uhr hatte, aber natürlich nur analog mit Zeiger, da konnte man sich bei längeren Strecken auch schon mal um die eine oder andere Minute vergucken.
Also musste ein neuer Weg für die Traningsstrecke gefunden werden und da kam mein Fahrrad ins Spiel. Ans Ventil ein kleines buntes Band gebunden, das bis knapp zur Erde reichte. Eine komplette Radumrundung abgemessen auf einem geraden Untergrund, zum Beispiel 2,54 Meter. Und jetzt kam der komplizierteste Teil: Rad nehmen und Strecke ablaufen, dabei immer auf das Band schauen und die Runden zählen. Fahren ging nicht, weil die Sturzgefahr und Bekanntschaft mit Bäumen und Sträuchern vorprogrammiert waren. Natürlich wollte ich auch vermeiden, dass mich Freunde und Bekannte sahen, denn das sah schon alles etwas blöde aus und Ablenkung konnte ich auch nicht gebrauchen. So ging es los und es dauerte teilweise ewig, bis eine Strecke abgemessen war, oft verzählt was bei über 1200 Umdrehungen auch kein Wunder ist. Und natürlich was es richtig toll, wenn ich gerade über 1500 war und ein Bekannter kam und mich ablenkte: Was machst Du da? Wunderbar… alles wieder von vorne. So albern es sich auch anhört, so habe ich meine ersten Trainingsstrecken vermessen und einige davon laufe ich noch heute.

So wurde die Laufstrecke vermessen...
Natürlich gab es damals auch schon andere Hilfsmittel. Diese waren aber für mich unerschwinglich oder diese gab es nun mal nicht einfach so im Geschäft, wie es so vieles nicht gab. Und wenn ich so zurückdenke, möchte ich dieses Erlebnis nicht missen, weil ich einmal mehr sehe, was ich heut habe und ich weiß vieles einfach mehr zu schätzen – auch wenn ich gewisser Technik, wie oben schon erwähnt, anfänglich skeptisch gegenüber stehe.

Das ist ja vielleicht mal spannend! Ganz ehrlich! Auf was für wundersame Ideen man kommt, wenn man einfach nur bescheidenste Mittel zur Verfügung hat. Heute würde ich natürlich zumindest mal google earth bevorzugen, aber für damals, genial! *lach*
Hallo Evchen,
solche Ideen habe ich aus alten Büchern gebhabt, jedenfalls das mit dem Fahrrad. Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten um eine Strecke zu vermessen, mittlerweile kann das Profil und was weiß ich noch alles bestimmt werden…, damals nicht vorstellbar (dabei sind es eigentlich erst 25 Jahre her).
Das Gute daran, man lernte, sich mit einfachen Mitteln zu helfen damals bei Euch in der DDR, heute ist alles so einfach, dass man sich gerne daran erinnert, kann ich gut verstehen !
Sehr schöner Bericht! Back to the very basics, sozusagen. Und da frage ich mich, was ich ohne meine geerbte Polar RS400 machen würde
)
Gutes neues Jahr!