Marcel Heinig – der vierte Wettkampftag

Quelle (www.lr-online.de/serien/sport/heinig-blog/)

Der vierte Wettkampftag ist zur Hälfte vorbei und Marcel Heinig wird jetzt gleich vom Rad aufs Laufen umsteigen. Acht Stunden hat er für die Radstrecke gebraucht. Man hat das Gefühl, dass ihm das Schwimmen und das Radfahren nicht soviel mental und körperlich ausmachen wie das Rennen. Das Schwimmen hat sich so bei 2,5 bis 3 Stunden eingependelt. Das Wasser war zwar wieder ziemlich warm, es läuft aber ganz gut im Becken. Dann ging es aufs Fahrrad. Die Sonne hat ihn wieder sehr zugesetzt, obwohl er eine permanente zentimeterdicke Schicht Sonnencreme auf der Haut hat. Das Laufen absolviert er dann im Dunkeln. Bei ihm kommen da wieder die Erinnerungen vom letzten Jahr durch: „die nie endenden Runden“. Er, aber auch alle anderen Teilnehmer, äußern die ersten Gedanken, dass Rennen vorzeitig zu beenden. Es wird vor allem eine mentale Frage sein, ob Heinig, dass Rennen durchhält. Sein Betreuerin Sandra Krüger hat hier ganze psychologische Arbeit zu verrichten. Der österreichische Starter Andreas Karall ist heute nicht mehr angetreten. Er schafft es nicht, diese Tortour noch weitere sieben Tage durchzustehen.

Körperlich hinterlässt der Weltrekordversuch auch die ersten Spuren bei Heinig: er verliert die ersten Zehnnägel. Auf einem abschüssigen Laufteil rutscht der Fuß nach vorn und drückt an Socke und Schuh. Außerdem hat er ein paar offene Stellen durch das Sitzen auf dem Rad.

Heinig von der Strecke:
„Ich habe noch acht Laufkilometer vor mir, es ist ungefähr um ein Uhr. Ich habe das Gefühl, dass es nicht so gut aussieht für mich. Körperlich ist zwar halbwegs alles OK. Auch die Regeneration klappt ganz gut. Letzte Nacht hatte ich fünf bis sechs Stunden Zeit gehabt. Aber im Bett bin ich dann Achterbahn gefahren, als wenn ich besoffen wäre. Ich schätze, dass ich zwei Stunden im Tiefschlaf war. Besonders das Laufen bereitet mir mentale Schwierigkeiten und ich muss immerzu an vergangenes Jahr denken. Ich weiß nicht, ob ich dieselbe mentale Power wie im letzten Jahr aufbringen kann. Wenn ich jetzt hier laufe, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass ich hier noch sechs Tage laufen soll.

Sandra und Beto betreuen mich hervorragend und kümmern sich ganz rührend um mich. Auch die anderen Athleten, Betreuer und Verantwortlichen drücken mir die Daumen und feuern mich an. Das gibt unheimlich viel Motivation. Die Bedingungen sind viel besser als 2006, wo ich zehn Ironmans in zehn Tagen absolvierte. Aber damals war ich irgendwie mehr bereit, durch die Hölle zu gehen als jetzt. Mir fehlt dieses Mal irgendwie die Gelassenheit und die Geduld, hier noch zu Ende zu laufen. Vielleicht ist auch der selbst gemachte Erfolgsdruck, der noch Öl ins Feuer gießt. Ich muss jetzt noch rund 7,5 Kilometer laufen und dann zum ärztlichen Check, wo die Flüssigkeitswerte des Körpers bestimmt werden, um sicherzugehen, dass sie Athleten nicht zu sehr dehydriert sind, dann zur Urinabgabe, unter die Dusche und ab ins Bett. Tschüssi sagt Marcel.“

(Ich möchte noch einmal auf das Interview mit Marcel Heinig – hier auf Lauf Marathon verweisen.)

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