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Troisdorfer 6-Stundenlauf 2009

Gastartikel bei Laufe Marathon

Heute liefert der Steffen/runningfreaks.de im Rahmen des Wettbewerbs 16 Bundsländer – 16 Marathons – 16 Monate einen wunderbaren Laufbericht vom 6 Stundenlauf in Troisdorf. Vielen Dank dafür an Steffen.

Troisdorfer 6-Stundenlauf 2009

Bevor ich den eigentlichen Bericht verfasse möchte ich mich, auch wenn es sich für manchen verrückt und doof anhört, in aller erster Linie bei meinem Körper bedanken. Es erstaunt mich immer wieder auf´s Neue, zu welchen doch außergewöhnlichen Leistungen er in der Lage ist, wie er solche doch langen Läufe auf der einen Seite ertragen, auf der anderen Seite sich aber auch schnell wieder davon erholen und regenerieren kann und wie er all das von mir Geforderte so wegsteckt. Ja, der menschliche Körper ist ein wahres Wunder. Ich danke ihm dafür und gönne ihm jetzt die wohl verdiente Ruhe.

Außerdem möchte ich mich bei den Organisatoren und Helfern in Troisdorf bedanken, 6 Stunden als Streckenposten in der nassen Kälte zu stehen ist ebenfalls aller Ehren wert. Danke für diese wirklich tolle Veranstaltung, ich war mit Freude bei Euch am Start und Ihr habt alle samt einen riesen Job gemacht! Es hat uns Läufern an nichts gefehlt und es war alles wirklich bis ins kleinste Detail perfekt geplant und durchgeführt. Vielen Dank!

Nun zum Laufbericht selbst:
Als um 5:30 Uhr der Wecker klingelt überzeuge ich meinen Schatz erst einmal davon, mich nicht nach Troisdorf zu begleiten, deutlich mehr als 6 Stunden in der nassen Kälte zu stehen kann und will ich nicht von ihr verlangen. Und das alles nur um ein paar Bilder zu machen, nein, man kann einen Sonntag auch schöner verbringen. Glücklicherweise gelingt mir das auch, sie wünscht mir alles Gute und viel Glück, umarmt und küsst mich liebevoll und geht wieder ins Bett. Ich erledige schnell die Morgentoilette, frühstücke und mache mich pünktlich um 6:30 Uhr auf den Weg. Doch auf halber Strecke stelle ich mit Schrecken fest das ich den Laufcomputer zu Hause vergessen habe, mist! Und jetzt? es ist 7:20 Uhr, wenn ich auf die Tube drücken würde könnte ich umkehren, die blöde Uhr holen und wäre dann um etwa 09:30 in Troisdorf. So mache ich es dann auch, allerdings bin ich ob dieser wirklichen Blödheit doch recht aufgeregt.

Dort angekommen hole ich schnell die Startunterlagen ab, mache mich lauffertig, vergesse natürlich wegen der dann doch aufkommenden leichten Hektik mich an den bekannten Stellen mich Vasiline einzuschmieren, mache noch ein paar Bilder und gehe zum Start. Als ich dort ankomme sind es noch 2 Minuten bis zum Start, Glück gehabt, hat gerade noch so hingehauen. Die letzten 10 Sekunden werden runter gezählt und der Startschuss fällt. Zu laufen ist eine 2,5 Km-Strecke, die folgendermaßen verläuft: Aus dem Stadion raus, rechts daran vorbei, wieder rechts ab über den Damm entlang der/ des? Agger, erneut rechts durch ein Wohngebiet, 500 Meter weiter wieder rechts und weitere 500 Meter, wie sollte es auch anders sein, wieder rechts, an der Waldschule vorbei (hier ist die Startnummernausgabe und Siegerehrung) bis zum Stadion, dort allerdings nicht wie gewohnt rechts herum auf die Tartanbahn, sondern links herum entgegen der üblichen Laufrichtung auf der Innenbahn bis zur Ziellinie (wo auch der Start stattfand). Auf dieser wird gewendet und schon läuft man wieder über die Zeitnahmematten in die nächste Runde. Und das ganze eben 6 Stunden lang.

Die ersten Runden laufen gut, ich fühle mich prima und habe ein gutes Gefühl. Gemeinsam mit Bernd Wolff, wir kannten uns vorher nicht, laufe ich so die ersten 8 Runden in einem etwas zu schnellen 4:50er Tempo. Wir erzählen über bereits bestrittene Läufe und was wir hier so gedenken zu erreichen. Nach jeder Runde trinke ich einen Becher Wasser, was sich aber später als zu wenig erweisen sollte. Mein Puls ist zu diesem Zeitpunkt, gelaufen sind etwa 1:40 Stunden, bereits viel zu hoch, ungewöhnlich wenn ich mir die Werte der letzten Trainingsläufe so ansehe. Und dann geht es los, ich bekomme mehr und mehr Probleme das Tempo zu halten, die Hüfte, die ich eigentlich als geheilt betrachtet habe meldet sich zurück und die Beine fangen bereits jetzt an schwer zu werden. Das kann ja heiter werden, wie soll das denn die nächsten Stunden noch werden? Nach 2 Stunden nehme ich das erste Gel und einen Saltstick in der Hoffnung wieder zu Kräften zu kommen, doch vergeblich. Nachdem der Puls langsam aber stetig weiter ansteigt lasse ich Bernd ziehen, das Tempo ist mir definitiv zu hoch, ich beschließe etwa 10 Sekunden langsamer auf den Kilometer zu laufen um meinem Körper die Chance zu geben sich zu erholen. Mir kommen erste Zweifel daran die 6 Stunden überhaupt laufend zu beenden und es wird klar, dass dieser Lauf nur mit dem Kopf zu machen ist und ich stelle mich bereits jetzt mental auf einen harten Kampf mit mir selbst ein. 40 Minuten später nehme ich das nächste Gel, aber auch das hilft nicht wirklich. Doch ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich eigentlich richtig gut unterwegs bin.

Die 35-Km-Marke durchlaufe ich nach 2:57, also weniger als der Hälfte der Zeit. Bleib ruhig sage ich mir, dein Minimalziel von 65 Km schaffst du auf jeden Fall, denn für die restlichen 30 Km hast du dir ein Polster von 3:03 Stunden herausgelaufen, das ist eine Pace von 6:00, und das geht immer! Bei Kilometer 37,5 trinke ich deutlich mehr, jeweils einen Becher gezuckerten Tee und einen Becher Wasser und esse zusätzlich zwei Happen Eierwaffeln. Ein Blick auf den Puls verrät mir, dass er sich anscheinend stabilisiert hat. Das Tempo scheint also für den momentanen Zustand verträglich zu sein und ich behalte es bei. Nach 3:36 Stunden durchlaufe ich die Marathonmarke, was mir wieder zeigt, dass die 65 Km absolut machbar sind. Aber die Kraft will einfach nicht zurückkommen, ich hangele mich von Runde zu Runde, denke immer nur in kurzen Intervallen, und das nächste soll dann auch die 50 Km-Marke sein. Wenn alles optimal laufen würde, so denke ich mir, schaffst du das in unter 4:20, aber so wie es dir momentan geht….und doch, ich schaffe diese Marke in 4:17, Wahnsinn! Was ist mit dir los? Du bist eigentlich völlig platt und kraftlos, die Hüfte schmerzt, auch die erste Blase kündigt sich bereits jetzt an und du bist so gut unterwegs? Mir fallen all die Blogger ein, die mir die Daumen drücken, mein Schatz, die mir alles Gute gewünscht hat und mir wird klar, das heute mehr drin ist als “nur” 65 Km, viel mehr. Sich körperlich so schlecht fühle und trotzdem so gut laufen? Und dann passiert etwas unglaubliches, der Puls fällt, obwohl ich das Tempo von nach wie vor 5:00-5:10 beibehalte, was ist das denn jetzt?

Ich durchlaufe nach 4:40 Stunden die 55 Km-Marke und mir wird klar, 65 Km sind kein Thema mehr, du willst mehr, du kannst mehr, du läufst mehr! 67,5 Km sind jetzt das Ziel. Ich forciere vorsichtig das Tempo, der Puls bleibt stabil, klasse! Mittlerweile tun mir die Füße weh, das linke Knie beginnt wie ein Messer zu stechen, es macht eigentlich keinen Spaß mehr, aber es ist mir egal, ich kämpfe, nehme die Probleme wahr, nehme sie als gegeben hin und laufe trotzdem weiter. Eine Runde später geht es auch schon wieder, nur die Blase, die merke ich zwischenzeitlich gewaltig, besonders in denKurven. Egal, weiter, immer weiter, Schritt für Schritt, Meter für Meter und ich höre wie der Stadionsprecher die letzte Laufstunde ankündigt. Fast 57,5 Kilometer habe ich jetzt bereits hinter mir. Noch eine Stunde, die schaffe ich auch noch. Weiter, immer weiter, plötzlich bekomme ich Seitenstechen, ich versuche kontrolliert zu atmen und eine Runde später ist es auch schon wieder gut. Bei Kilometer 60 fange ich an Cola zu trinken, das tut gut, purer Zucker, genau das Richtige. Und plötzlich bekomme ich den läuferischen zweiten Frühling, die Kraft kehrt zurück, das gibt es doch gar nicht, wie geht das denn? Ich höre den Moderator die letzte halbe Stunde ankündigen, 63,2 Km habe ich jetzt auf dem Konto und ich fange an sogar von den 68 Km zu träumen. Noch knapp 6 Kilometer und etwas weniger als 30 Minuten Zeit – das muss gehen! Ich erhöhe das Tempo erneut, was eigentlich wegen der doch sehr starken körperlichen Ermüdung unmöglich ist, doch der Wille ist stärker.

Ich durchlaufe die 65 Km-Marke, klasse. Minimalziel erreicht, und noch 22 Minuten Zeit, weiter, da geht noch was. Nicht weit vor mir sehe ich Bernd, der zwischenzeitlich mehr als einen Kilometer Vorsprung rausgelaufen hatte und überhole ihn wenig später. Die letzte viertel Stunde wird angekündigt, ich schaue auf die Uhr, der Puls steigt nur unwesentlich, ich erhöhe erneut das Tempo und es wird langsam klar, dass mit sehr viel Kampf und einem ungeheuren Endspurt sogar die niemals für möglich gehaltenen 69 Km möglich sind. Nach 5:53:30 Stunden durchlaufe ich die 67,5 Km-Marke, der Sprecher kündigt meine letzte Runde an und ich laufe wie entfesselt. Noch 6,5 Minuten, für 1,5 Km, eigentlich völlig unmöglich, das würde eine Pace von 4:20 bedeuten! Das schaffst du nie, nicht nach 67,5 gelaufenen Kilometern. Mir geht wie im Schnelldurchlauf fast der gesamte Lauf nochmals durch den Kopf, all die Probleme die ich hatte, dass ich schon aufgeben wollte, und wie ich trotzdem weitergelaufen bin, ich denke an meinen geliebten Schatz zu Hause, an das ganze Training , die vielen Kilometer, nur für diesen einen Lauf, und ich renne los, wie von Sinnen. Der Moderator erklärt nochmals das Prozedere des Laufendes, das es einen Zielschuss von zwei Stellen aus zeitgleich geben wird und wir dann sofort stehen bleiben sollen, und ich renne wie ein Irrer.

Über den Damm, an der 68-Km-Marke vorbei in das Wohngebiet, angefeuert von den vielen vielen Streckenposten an der Strecke, passiere die 68,5 Km-Marke, erwarte jeden Moment den Zielschuss, hole das Letzte aus mir raus, laufe wie in Trance, registriere fast nichts mehr um mich herum, schaue vor mich, sehe die 69 Km-Marke, schaue auf die Uhr, noch 30 Sekunden, ich fliege förmlich über den Asphalt und passiere tatsächlich noch die 69 Km-Marke. Nur Sekunden später erfolgt der Zielschuss und alles ist vorbei. Mit Tränen des Glückes in den Augen, berauscht und betäubt von dem gerade Geleisteten registriere ich so langsam was ich hier geschafft habe, 69,150 Km, unfassbar. Ich kann es gar nicht glauben, stehe völlig neben mir und ringe nach Luft. Doch es ist tatsächlich wahr, 69,150 Km! Wie ich im Nachhinein an meinem Laufcomputer gesehen habe bin ich die letzten fast 1,7 in einem unfassbaren 4:15er Tempo gelaufen! Die Ordner gratulieren mir zu der fantastischen Leistung und sagen mir, dass ich die Startnummer mit einem Stein auf den Boden legen und duschen gehen soll. Das mache ich dann auch. Erstaunlicherweise geht es mir recht schnell wieder gut. Am Auto angekommen trinke ich erst einmal einen halben Liter Wasser auf ex und esse ein paar Eierweck. Um einer Erkältung vorzubeugen löse ich in dem restlichen Wasser eine Frubiase Sport auf, um das dann nach dem Duschen zu trinken. Nachdem ich meinem Schatz per Telefon über meine erlaufenen Kilometer per Telefon berichte würde sie mich am liebsten umarmen vor Stolz. Sie gratuliert mir herzlich, gibt mir ein Küsschen und freut sich auf mein Heimkommen. Dann geht´s ab unter die Dusche.

Erstaunlich leicht fällt mir diesmal das Ent- und Ankleiden, die Schuhe und auch die Socken stellten keinerlei größere Probleme da. Anschließend gehe ich in die Waldschule zur Stärkung, Ergebnissbekanntgabe, Urkundenausgabe und Siegerehrung. Ich verdrücke 2 Bratwürste, 2 Brötchen sowie 2 Wasser und 2 Cola, um mir dann die Ergebnisse anzusehen. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus, 19. Gesamtplatz, 6. in der Altersklasse M40, und das bei diesem erstklassigen Starterfeld, alles was Rang und Namen hat war hier am Start, mir läuft es erneut kalt den Rücken runter. Ich hole meine inzwischen gedruckte Urkunde ab und setze mich noch einen Augenblick zu Bernd Wolff, dem ich in der Schlussviertelstunde tatsächlich noch einen Kilometer abgenommen habe. Er sitzt bei Friedrich Iffert, den ich bereits von zahlreichen anderen Läufen her kenne. Wir unterhalten uns angeregt über so manch Erlebtes. Auch Stefan Hinze, dem Präsidenten der DUV laufe ich über den Weg und er gratuliert mir zu dieser super Debütleistung. Ich hatte ihn ja bereits mehrfach wärend des Laufes an der Strecke gesehen, aber da war es mit einem Schwätzchen doch recht schlecht. Um etwa 18 Uhr verlasse ich dann die Veranstaltung um mich auf den Heimweg zu machen.

Fazit:
Selbst die Erfahrungen von zuvor sechs Marathons, vier 50-Km-Läufe und sogar einem Hunderter hatten mit dem, was ich heute erlebt habe nichts, aber auch garnichts gemein. Dies beweist, jeder Lauf ist anders, es läuft nicht immer alles glatt und rund, aber der Wille kann Berge versetzten! Man muss die Herausforderung immer neu annehmen, in sich hinein hören und dann versuchendas Beste daraus zu machen. Es ist zuweilen verdammt hart, aber es lohnt sich!(Steffen Kohler)

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Autor: Heiko

Mein Name ist Heiko und laufe-marathon.de entstand aus meiner Leidenschaft zum Laufen. Auf "Laufe Marathon" findet Ihr Artikel zum Thema Laufen/Marathon/Fitness - Training, Termine, Laufberichte, Gesundheit, Interviews, Reports, Lauftagebuch, Ernährung.

2 Kommentare

  1. Danke, einmal an Thorsten für die Gratulation und natürlich an Heiko für die Veröffentlichung und sehr nette Einleitung!

    Liebe läuferische Grüße,
    Steffen

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