Interview mit Startblog-F

Geschrieben am Dienstag, 20. Oktober 2009 von Heiko

Wie damals im Artikel – Laufen wie kommst Du dazu – schon angekündigt, interviewe ich hier in regelmäßigen Abständen Läufer/innen, nach Dingen wie ihrer Motivation und wie sie zum Laufen kamen, um nur einige wenige Punkte zu nennen. Heut kommt Andreas vom Startblog-F Blog zu Wort.

Wer auch einmal Lust hat, von mir befragt zu werden, darf gern Kontakt aufnehmen oder dies in den Kommentaren hinterlassen.

Interview mit Andreas vom Startblog-F Blog

1. Hallo Andreas, am Anfang bitte ich um eine kleine Vorstellung Deiner Person für die Leser von Laufe Marathon.
Mein Name ist Andreas und ich laufe seit dem 1. Mai 2003, zuerst ganz kurze Strecken, dann mit wachsender Laufbegeisterung immer mehr. Inzwischen habe ich vier Marathons und etliche Halbmarathons absolviert, habe aber fast noch mehr Freude daran, alleine oder mit meinen Freunden Stadt und Landschaft laufend zu erkunden. Seit November 2007 schreibe ich in meinem Blog unter www.startblog-f.de über das Laufen und die Läufer.

2. Welche Motivation trieb Dich am 1. Mai 2003 in die Laufschuhe und was war der ausschlaggebene Punkt, dass Du dabei geblieben bist?
Ich wollte seit langem schon etwas Sport treiben, aber abgesehen von unregelmäßigen Badminton-Spielen hatte es aus Trägheit nie mit einer längeren sportlichen Betätigung geklappt. An jenem 1. Mai wollte ich es mal wieder mit ein, zwei Runden im Park versuchen. Es hat Spaß gemacht und ich nahm mir vor, in der darauffolgenden Woche gleich noch einmal zu laufen. Ab da war ich drin und die Begeisterung wuchs, ich lief und lief und habe seitdem nicht mehr aufgehört.

andreas-startblog-f

3. Eine Lauffreundin hat mal folgendes über Dich gesagt: „Er hat alles gelesen: Über Ernährung, Verletzungen, Trainingspläne, hat immer vor dem Wettkampf einen Plan ausgearbeitet mit Zwischen- und Zielzeiten. Er ist von uns nicht der Schnellste, aber er kann alles erklären.“ Dann erkläre das bitte mal genauer. Warum soviel Theorie?
Ich lese und lerne sehr gerne. Und wenn ich Spaß an einem Hobby gefunden habe, beschäftige ich mich auch in der Theorie gerne damit. Natürlich steht die Freude am Laufen, am Körpergefühl, an der Bewegung im Vordergrund. Aber wenn es etwas gibt, dass mir hilft, gesund zu laufen, Verletzungen zu vermeiden oder Wettkämpfe wie z.B. einen Marathon besser zu bestehen, dann möchte ich das wissen.

4. Da stellt sich mir gleich die nächste Frage. Bist Du ein Mensch, der sich genau an Vorgaben und an Pläne beim Laufen hält oder bist Du doch eher “nur” der Planer, der auch mal Plan sein lassen kann?
Vor meinen ersten Halbmarathons und Marathons habe ich mich noch recht genau an Trainingspläne aus Büchern oder Laufzeitschriften gehalten. Inzwischen glaube ich ein paar grundlegende Prinzipien verstanden zu haben und laufe nach eigenen Plänen. Allerdings gehört dazu – und darauf zielt deine Frage wohl auch ab – dass man die Planvorgaben auch mal sausen lässt. Ein Plan kann an manchen Tagen gegen den inneren Schweinehund helfen, aber wenn man sich gar nicht gut fühlt, sollte man lieber ein paar Tage pausieren um dann mit neuer Lust wieder einzusteigen. Und ganz wichtig: vor dem Wettkampf noch einmal die vergangenen Laufwochen Revue passieren lassen und die gewünschte Zielzeit entsprechend anpassen. Denn nur weil der 3:45-Marathon-Trainingsplan an der Wand hängt (den man aber aus diversen Gründen nur zu 70% umsetzen konnte) wird man nicht automatisch schneller als im Vorjahr!

5. Welches Wissen aus der Fachliteratur zum Thema Laufen hat Dich im läuferischen Bereich am weitesten gebracht? Konntest Du beim Lesen verschiedenster Bücher auch Widersprüche zwischen den einzelnen Fachautoren erkennen.
Am meisten beeindruckt hat mich der Laufbuch-Satz „Schneller wird man in den Pausen!“. Wer seinem Körper nach der Anstrengung keine Ruhe gönnt, wird mit der Zeit immer ausgelaugter und langsamer. Daher habe ich es mir angewöhnt, in Zyklen mit Ruhetagen bzw. -phasen zu denken. Auf eine belastende Laufeinheit (Tempolauf oder langer Lauf) folgt bei mir immer ein Ruhetag. Nach drei sich in der Intensität steigernden Trainingswochen wird in der 4. Woche etwas zurückgeschraubt. Und nach dem Herbstmarathon sorgt meist für mehrere Wochen ein sehr stark reduzierter Trainingsumfang für Erholung.

Widersprüche – oder sagen wir mal: sich ändernde Erkenntnisse – gibt es in der Fachliteratur häufiger als man denkt. So wird man z.B. zum Dehnen viele verschiedene Meinungen lesen können (Vor dem Lauf? Nach dem Lauf? Nicht nach harten Einheiten? Nur vor schnellen Läufen? Gar nicht?). Aber auch was den Dämpfungsgrad der Laufschuhe angeht, vollzieht sich gerade eine Kehrtwendung: Während es früher nicht weich und federnd genug sein konnte, werden neuere Modelle wieder mit härteren Sohlen gefertigt, da man erkannt hat, dass zuviel Dämpfung auch zu Verletzungen führen kann. Das geht hin bis zu Schuhmodellen, die das Barfußlaufen simulieren sollen.

6. Du bist Mitorganisator, wenn man das so sagen darf, vom Mauerweg Lauf in Berlin. Erkläre mal bitte, was da genau dahinter steckt. Wird es 2010 auch einen Mauerweg Lauf geben und wie wird dieser aussehen?
Vorgeschichte war, dass ich 2008 im Rahmen der XT Wings Challenge einen von mir erdachten „Buchstabenlauf“ gemacht habe. An sieben Wochenenden bin ich auf genau geplanten Strecken, begleitet von Freunden, durch Berlin gelaufen. Eingezeichnet auf dem Stadtplan ergaben diese Strecken einen Satz, den die Leser meines Blogs erraten sollten. Eine schöne Aktion, die uns allen viel Spaß gemacht hat. Und zwar soviel Spaß, dass im Anschluss gleich die Frage kam, was wir denn im folgenden Jahr für eine Laufaktion machen würden?

So entstand gemeinsam die Idee, in einer Staffel einmal auf dem ehemaligen Mauerweg um den ehemaligen Westteil Berlins herumzulaufen. War eine ganze Menge Arbeit, die einzelnen Etappen zu erstellen und für die Läufer zu dokumentieren, damit jeder wusste, wo er langlaufen musste. Am Ende liefen dann über 50 Freunde und Bekannte in diversen Teams die 17 Etappen auf dem fast 165 km langen Mauerweg. Unser Staffelstab wurde tatsächlich von 4 Uhr morgens bis 21:50 Uhr weiter gegeben und es gab zum Schluss mit fast allen Beteiligten ein tolles Läufer-Happening am Brandenburger Tor. Alles wurde mit vielen, vielen Fotos auf startblog-f dokumentiert. Viele Teilnehmer waren danach so begeistert, dass sofort der Wunsch nach Wiederholung dieses Events im Jahr 2010 aufkam. Wir schwanken momentan noch, ob wir uns nicht lieber wieder etwas vollkommen neues ausdenken sollten, aber ich finde, es spricht viel für eine Wiederholung. Wer Lust hat daran teilzunehmen, der kann ja im Frühjahr mal auf startblog-f vorbeischauen, ob der Lauf tatsächlich wieder stattfindet…

7. Viele Menschen klagen darüber, dass sie keine Zeit zum Sport treiben hätten. Wie schaffst Du es, Dein Training und die Wettkämpfe ins alltägliche Leben zu integrieren?
Das ist in der Tat nicht so ganz einfach, besonders wenn man berufstätig ist und Familie hat. Ich laufe in der Regel 4 Mal in der Woche und stehe dafür früh (Wochenende) bis sehr früh (Arbeitstage) auf. Wettkämpfe suche ich mir meist nur 4-5 pro Jahr aus, so dass auch das nicht zuviel (für die Familie) wird. Einen Großteil der Zeit nimmt allerdings das Schreiben für startblog-f in Anspruch. Meine Familie steht glücklicherweise hinter meiner Lauferei, aber wenn ich abends dann am Rechner verschwinde, um „mal eben“ noch einen Artikel zu Ende zu schreiben…

8. Wie wichtig sind für Dich Zeiten beim Laufen oder ist es das Erleben der Natur und des eigenen Körpers, das Dich fasziniert?
Seit ich mich in diesem Sommer am Ende eines 10-km-Laufs im Krankenwagen wiedergefunden habe, hat sich in dieser Hinsicht einiges für mich relativiert. Ich war sicherlich nie besonders ehrgeizig was die Zeiten angeht, aber wenn ich mir ein realistisches (sic!) Ziel gesetzt habe, möchte ich es auch erreichen. Dummerweise scheine ich über sehr schwache Überlastungs-Warnzeichen zu verfügen, weshalb ich jetzt zwar nach wie vor eifrig trainiere, aber von der eigentlich möglichen Wettkampf-Zielzeit noch einmal einen deutlichen Abschlag herunterrechne. Laufen sollte Spaß machen. Und auch eine ehrgeizige Zeitvorgabe kann wohlgemerkt Spaß machen. Aber wenn man im Ziel zusammenklappt hört der Spaß definitiv auf! Abgesehen davon, bereiten mir die gemeinsamen langen Läufe mit meinen Freunden durch das Berliner Umland wesentlich mehr Freude als jeder noch so gigantische Marathon.

9. Jetzt habe ich eine spannende Aufgabe für Dich. Stell Dir vor, eine Gruppe von Jugendlichen zwischen 15 – 18 Jahren, viel Alkohol, Drogen usw. – wie könnte man die vom Spaß am Sport überzeugen?
In dem Alter hat man gewöhnlich andere Interessen als Ausdauersportarten zu betreiben. Was mich selber gleich nach den ersten Monaten am Laufen begeistert hat, ist die Tatsache, dass man gar nicht umhin kann, besser und fitter zu werden. Es geht von alleine, man muss nur dranbleiben. „Der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt“ war nicht umsonst der Lösungsspruch des Buchstabenlaufs.

Ich würde versuchen, die Jugendlichen von einem ersten gemeinsamen Ein-Kilometer-Lauf zu überzeugen. Und zwei Tage später wäre der nächste kleine Lauf dran. Wer dann auch den 3., 4. und 5. Lauf mitmacht ist schon so gut wie ein Läufer. Mit jedem weiteren Lauf sinkt der Widerstand und steigt die Freude an der Bewegung (und entsprechend auch die Lauflänge). Aber zugegeben: die ersten Überzeugungsgespräche wären wahrscheinlich „voll krass“…

10. Könnte es sein, dass vielen Menschen die Lust am Sport fehlt oder auch verloren geht, weil ein permanenter Leistungsdruck in unserer Gesellschaft herrscht? Wie denkst Du darüber?
Nein, das würde ich nicht so sehen. Gerade beim Laufen kann man es sich ja aussuchen, ob man ambitioniert Wettkämpfe laufen oder doch lieber zur Entspannung zwei gemütliche Sonntagsrunden im Park drehen möchte. Ich sehe eher das Problem, dass viele das Leistungsdenken auch auf das Laufen übertragen und sich dabei übernehmen (ich nehme mich da nicht aus, s.o.). Dann wird mit dem Laufen aufgehört, weil man plötzlich nicht schon wieder schneller geworden ist als das Mal davor. Dabei interessiert es doch spätestens eine Woche nach dem Marathon keinen mehr, wie schnell man gelaufen ist. Von daher finde ich auch den Medienhype „In x Wochen von der Couch zum Marathon“ eher kontraproduktiv. Wer sich bewegen möchte, gerade als Ausgleich zum stressigen Bürojob, der sollte laufen. Ruhig und entspannt. Und wenn aus dem ersten Kilometer später, nach ein, zwei Jahren durch wachsende Begeisterung ein Marathon wird, prima. Aber zuallererst hat das Laufen eine Entspannungsfunktion.

11. Du gehörst zu der Sorte Läufer, welche auch Fotos während des Laufens machen. Wie bist Du auf die Idee gekommen und was gibt Dir das Fotografieren während eines Laufs?
Als ich im November 2007 mit startblog-f begann, gab es nur vereinzelt Fotos. Die meisten Artikel waren simpler Text. Aber ich stellte schnell fest, dass es deutlich mehr Reaktionen auf Fotos gab. Wenig später ergab es sich, dass ich ein recht gutes Fotohandy zur Verfügung hatte, das man leicht beim Laufen mitnehmen konnte. Von da an war es fast bei jedem langen Lauf dabei. Ich denke, es motiviert sehr, wenn man in Blogs oder Laufzeitschriften schöne Landschaften mit oder ohne Läufer sieht. Mir geht es selbst so, dass ich beim Anblick solcher Bilder am liebsten gleich in die Laufschuhe steigen und losrennen möchte. Inzwischen war ich auch so verwegen, bei einigen Wettkämpfen auf der Strecke zu fotografieren. Das ist aber nicht so ganz leicht – ich habe jedesmal Panik vor dem Augenblick an dem das Handy beim Herumhantieren herunterfällt – und Bestzeiten kann man so natürlich auch getrost vergessen.

12. Da Du auch selber ein Blog namens Startblog-F am Start hast, darfst Du diesen hier gern einmal vorstellen.
Dazu ist ja schon einiges gesagt: Viele Laufberichte mit schönen Fotos von langen Läufen – ob zuhause im Berliner Süden oder im Urlaub – und von Wettkämpfen. Dazu Artikel über Laufaktionen und Trainingsplanung (Tempotraining, Laufstil, Renneinteilung, etc.) sowie diverse Marathon- und Laufrechner.

13. Vielen Dank für dieses Interview. Was ist Dein größtes läuferisches Ziel in nächster Zeit?
Wir wollen mit unserer Läufergruppe 2010 zum ersten Mal am Rennsteig-Lauf teilnehmen. Ganz bescheiden zuerst mit dem Halbmarathon. Da freue ich mich schon sehr drauf. Ansonsten ist das größte Ziel, gesund zu laufen und auf dem (läuferischen) Teppich zu bleiben.

Die bisherigen Interviews

Laufen ist eine extrem flexible Sportart (31.08.2009)
Ultra ist gut – Interview (07.09.2009)
Sport ist nie verkehrt (12.09.2009)
Korrekt laufen – Interview (15.09.2009)
Interview mit einer Lebensläuferin (23.09.2009)

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13 Kommentare to “Interview mit Startblog-F”

  1. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Heiko Wache, Laufe Marathon Blog erwähnt. Laufe Marathon Blog sagte: Interview mit Startblog-F… http://bit.ly/46dzq0 [...]

  2. Thorsten sagt:

    Gratulation zu diesem wirklich gelungenen Interview. Sehr interessant und informativ. Gruß, Thorsten

  3. Hannes sagt:

    … es ist fast langweilig, aber es ist einfach wieder ein richtig tolles Interview, in dem man noch einmal einiges über Andreas erfährt. So hab ich es gern!

  4. Evchen sagt:

    Heiko, Du wirst immer besser! Wieder einmal Danke!

    Und Andreas, auch Dir Danke, daß Du Dich für das Interview zur Verfügung gestellt hast! Ich behaupte mal, daß ich verschiedenen Ansichten und Laufstilen gegenüber sehr tolerant bin und mich auch andere Sichten interessieren, aber Deine “Art” ist mir sehr nahe und sympathisch.

    Ich meine, daß man manche Dinge über sich (Überbelastung etc.) leider erst lernen kann, wenn man sie negativ erfahren hat.
    Natürlich sollte man alles tun, um Verletzungen zu vermeiden, aber manchmal ist man trotzdem erst hinterher schlauer. Wie siehst Du das?

  5. [...] geführt. Diesmal war sein Gesprächspartner Andreas vom “Startblog-F” Blog. Lesenwert! Hier geht es zum Interview. [...]

  6. Heiko sagt:

    Hallo Evchen,

    immer noch selber Interesse an einigen Fragen? Danke für das Lob, ich gebe mir Mühe, aber bisher habe ich auch wundervolle Interviewpartner gehabt und ich hoffe das bleibt auch so. Die nächsten beiden Interviews sind schon in Planung, lasst Euch überraschen.

  7. Evchen sagt:

    Aye, natürlich. :-)

  8. Sehr tolles Interview!
    Ein schöner Bestandteil deines Blogs.
    Danke euch zwei!

  9. Steffen sagt:

    Erneut ein wunderbares Interview. Weiter so, das machst Du wirklich wunderbar!

    LG
    Steffen

    P.S. Ich freue mich schon auf das Nächste!

  10. Heiko sagt:

    Hallo Steffen,

    vielen Dank für die Blumen. Ich denke das nächste Interview gibt es in der nächsten Woche.

    Viele Grüße

    Heiko

  11. Marco sagt:

    Moin Heiko,
    schöne und interessante Seite ist das hier.
    Das mit den Interviews macht Laune auf mehr.
    Ist zwar jetzt nichts ganz meine Denkweise was das laufen betrifft aber mich wird es ab und zu hierher verschlagen.

    Gruss
    Marco

  12. Heiko sagt:

    Hallo Marco,
    schön zu lesen das Dir die Interviews gefallen. Ich hoffe es gibt bald wieder mehr davon, bin am Ball. Und über einen Besuch auf laufe marathon freue ich mich natürlich jederzeit.

    Gruß

    Heiko

  13. [...] Korrekt laufen – Interview (15.09.2009) Interview mit einer Lebensläuferin (23.09.2009) Interview mit Startblog F (20.10.2009) Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und [...]

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