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Interview mit einer Lebensläuferin

Und hier das nächste Interview in  der Reihe: Läufer Interviews. Heut stand die Läuferin Iris Burk mir Rede und Antwort.

Wer auch einmal Lust hat, von mir befragt zu werden, darf gern Kontakt aufnehmen oder dies in den Kommentaren hinterlassen.

Interview mit der Läuferin Iris Burk

1. Hallo Iris, bevor es mit dem Interview losgeht, bitte ich dich um eine kurze Vorstellung.

Zwei wichtige Elemente bestimmen mein Leben: ich bin technische Redakteurin und Läuferin. Technische Redakteure sind die, die Bedienungsanleitungen schreiben – für Produkte, die an den Endverbraucher gehen, oder für Maschinen und Software, die in Industrie und Handwerk eingesetzt werden. Das reicht von der einfachen Kaffeemaschine bis zur Waschmaschine für Platinen, die gut mal 40 Meter lang sind.

Zum zweiten: nicht zu den Joggern würde ich mich zählen, die nur aus gesundheitlichen Gründen laufen, sondern zu den Lebensläufern, die es aus einem inneren Bedürfnis heraus tun und die Vorteile, die das Laufen bietet, gerne mitnehmen.

2. Viele Läufer waren früher eher unsportlich und sind erst im Erwachsenenalter zum Laufen gekommen, was bei Dir ja auch nicht anders war. Was denkst Du sind die Gründe, warum doch einige Kinder sehr unsportlich sind und vor allem, wo siehst Du die Gründe Deiner Unsportlichkeit in Deiner Kindheit aus heutiger Sicht?

Zurückhalten möchte ich mich damit, eine generelle Erklärung für die Unsportlichkeit heutzutage zu geben. Ich denke, dass es nicht mehr so einfach möglich ist, als Kind draußen unterwegs zu sein: die Möglichkeiten sind eingeschränkt durch Verkehr, fehlender Platz, weniger Spielkameraden oder Vorgaben durch Familie und Gesellschaft. Zudem haben die Ansprüche an die Kinder zugenommen. Zum dritten gibt es viele konkurrierende Angebote, wie Computerspiele, Fernsehsendungen, und anderes.

Bei mir gab es mehrere Gründe. Als Kind bis etwa 7 Jahren war ich gerne draußen unterwegs und fand gerade Fangen und Seilspringen toll. Durch einen Umzug gab es die Möglichkeiten nicht mehr. Meine Eltern schleppten mich dann zwar in einen Sportverein. Dort fand ich es furchtbar: Um eine Übung machen zu dürfen, musste man etwa 20 Minuten auf der Bank sitzen, um endlich dran zu kommen.

Und dann der Schulsport… Da ging es ja nicht darum, sich zu bewegen, sondern Noten zu machen. Also eine ziemlich effektive Möglichkeit, Kindern den Spaß zu verderben.

3. Wann und wieso kam für Dich die Erkenntnis: Ich muss Sport treiben – und warum bist Du gerade beim Laufen gelandet?

Eine plötzliche Erkenntnis gab es nicht, sondern eine allmähliche Entwicklung. Zuerst täglich mit dem Fahrrad zur FH fahren – das ergab eine gute Grundkondition. Der gute Nebeneffekt war, dass ich dabei 13 Kilo abgenommen habe: vom Pummelchen zum normal proportionierten Herangewachsenen. Dann den Trimm-Dich-Pfad im nahen Wald wiederentdeckt und die Herausforderung angenommen, 4 km am Stück zu laufen. Zum Schluss gab es die ersten Exemplare der Runner’s World, die mich dann endgültig auf die Spur brachten.

4. Gab es für Dich offensichtliche Veränderungen im Leben und in der Lebenseinstellung, seitdem Du läufst?

Ich nehme die Umgebung und mich selbst achtsamer wahr, kann meine eigenen Grenzen akzeptieren und habe eine gewisse Härte und ein Zielbewusstsein entwickelt. Durch das Laufen habe ich eine Art Körperbewußtsein entwickelt und erfahren, dass ich mich auf mich selbst verlassen kann. Das Laufen macht mich ausgeglichener und kreativ. Und Erkältungen oder Schnupfen sind seit Jahren kein Thema mehr.

5. Sportmuffel klagen gerne darüber, dass sie keine Zeit hätten, Sport zu machen. Gründe sind sehr schnell gefunden. Wie schaffst Du es, das Laufen in den Alltag zu integrieren, ohne dabei Stress zu erleiden?

Ich „plane“ meine Verabredung mit mir selbst. Zudem weiß ich ja aus Erfahrung, dass ich nur unausgeglichen und grätig werde, wenn ich abends nach einem langen Arbeitstag mich nur noch auf dem Sofa installiere.

6. Wie motivierst Du Dich zum Laufen, wenn es mal nicht so gut läuft und die Welt scheinbar über Dir zusammenfällt? Ich glaube, solche Situationen hat jeder schon einmal erlebt.

Gerade dann, wenn scheinbar die Welt zusammenfällt, wird mir das Laufen wichtig. Da kann ich die übermäßigen Gefühle im Wald lassen, meine Gedanken sortieren und den Stress loslassen.

Ansonsten gibt es mit mir selbst eine Art Vertrag: ich habe feste Laufzeiten, zu denen ich – ohne Nachzudenken – die Laufschuhe anziehe und loslaufe. Egal, welches Wetter, egal, welche Stimmung. Erst nach einer Viertelstunde stelle ich mir die Frage: umkehren oder weiterlaufen? Da man dann sowieso schon nass und dreckig ist, heißt es fast immer: weiterlaufen – jetzt erst recht. Und dann wird es eigentlich immer ganz schön – auch die Dusche macht dann richtig Spass, man hat sie sich ja redlich verdient.

7. Sind Dir Kräftemessen mit anderen Läufern und persönliche Bestleistungen wichtig?

Zum einen ist mir schon wichtig, eine Bestleistung anzustreben. Aber gerade das Laufen hat mich gelehrt, nicht auf absolute Bestzeiten zu schielen – die ich einfach nie erbringen werde, sondern genau die Leistung zu schätzen, die in diesem Moment möglich war und damit zufrieden zu sein.

8. Es gibt Läufer, die laufen gern in der Gemeinschaft, und dann wiederum gibt es die Einzelläufer, die lieber alleine ihre Runden drehen. Zu welcher Sorte Läufer würdest Du Dich zählen und warum?

„Gestartet“ bin ich als Einzelläufer – da konnte ich meine eigenen Kämpfe mit mir austragen und war nicht auf andere angewiesen. Inzwischen bin ich mehr dazu übergegangen, mit ein oder mehreren Läufern gemeinsam zu laufen. Wir motivieren uns gegenseitig, tauschen Neuigkeiten aus, führen Grundsatzdiskussionen, setzen uns neue Ziele. Wichtig ist für mich, dass es vom Tempo passt. Daher habe ich nach kurzer Zeit wieder aufgegeben, einen Lauftreff im nahen Umkreis zu besuchen. Da hat doch meistens das männliche Testosteron die Oberhand …

9. Wenn Du Menschen vom Laufen überzeugen müsstest, wie würdest Du es anstellen? Was sind Deine Motivationstipps?

Beim Laufen schätze ich, dass ich mich vom Draußen, von der Umwelt eher lösen oder abgrenzen kann. Radfahren funktioniert da ganz anders: ich muss beständig auf den Verkehr und auf den Weg achten, muss ständig wachsam und reaktionsbereit sein, bedingt durch Rad und Geschwindigkeit, bin also immer im Außen involviert. Beim Laufen kann ich eher eine gewisse Distanz zulassen – und das tut mir gut.

Als Lebensläufer ist für mich absolut wichtig, den Rhythmus des Laufens zu spüren, das Wetter, das die Haut streichelt, die Einheit von Körper und Geist, das mentale Freiwerden.

10. Was waren bisher Deine schönsten läuferischen Momente?

Nach einem langen Lauf über 3 Stunden müde zuhause anzukommen und zu merken, wie weit man in der Landschaft herumgekommen ist. Der Schwarzwaldmarathon in Bräunlingen, wo ich zwar langsam war, aber die Strecke gut einteilen konnte und nicht an der Leistungsgrenze lief.

Einer der heimlichen „schönen Momente“ ist es immer dann, wenn plötzlich alles eins wird: der Weg, der Körper, das Wetter, wenn alles gut läuft und man im „Hier und Jetzt“ vollständig angekommen ist.

11. Vielen Dank für dieses Interview. Was ist Dein größtes läuferisches Ziel in nächster Zeit?

Das nächste Ziel: den Rechberglauf gut zu überstehen. Das nächste große Ziel: gut durch den Winter zu kommen, sich optimal für einen Frühjahrsmarathon vorbereiten zu können und den mit meiner neuen persönlichen Bestzeit zu schaffen.

Die bisherigen Interviews

Laufen ist eine extrem flexible Sportart (31.08.2009)
Ultra ist gut – Interview (07.09.2009)
Sport ist nie verkehrt (12.09.2009)
Korrekt laufen – Interview (15.09.2009)

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Autor: Heiko

Mein Name ist Heiko und laufe-marathon.de entstand aus meiner Leidenschaft zum Laufen. Auf "Laufe Marathon" findet Ihr Artikel zum Thema Laufen/Marathon/Fitness - Training, Termine, Laufberichte, Gesundheit, Interviews, Reports, Lauftagebuch, Ernährung.

5 Kommentare

  1. Sehr schön!

    @Heiko: Wieder einmal tolle, interessante Fragen.

    @Iris: Wie oft darfst Du Dir bei der Erklärung, was Du arbeitest, doofe Sprüche anhören? ;-)
    Sehr spannend, Dein Interview. Dankeschön! :-D

  2. Noch ein so richtig interessantes Interview.

    Besonders schön finde ich die Kombination der “Lebensläuferin” mit Bestzeitambitionen. Fasziniert war ich von den regelmäßigen Laufterminen. Das hat schon etwas. Auch wenn es dann längst nicht mehr so frei vom Trainingsalltag sein mag, feste Zeiten sind da nicht meins, aber einfach nach einer Viertelstunde zu entscheiden, was nun passieren soll – das halte ich für eine geniale Möglichkeit.

    @Evchen:
    Das wollte ich auch fragen :D

  3. Gerade beim surfen im Inet bin ich auf einmal auf deinem Blog gestolpert. Und jetzt komme ich nicht mehr weg von deinem Blog weil mir die Artikel welche du geschriebengepostet hast richtig zu sagen. Sind richtig interessant geschrieben so das man sie gerne anschaut.

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