Ich laufe nicht

Geschrieben am Donnerstag, 17. September 2009 von Heiko

Wer kennt es nicht: Im Kopf türmen sich Ideen, es könnte die Welt eingerissen werden und man schaut auf die nächsten Herausforderungen. Diese Phasen sind wundervoll und zeigen mir ganz klar: Ey Alter, du lebst noch oder besser, du lebst endlich wieder. Es war nicht immer alles rosig, aber jetzt blüht das Leben wieder, weil ich mich selber befreit habe. Denn das Leben ist es nicht wert, weggeworfen zu werden. Einen wichtigen Teil meines Lebens nimmt dabei der Sport ein. Auch da gab es, wie im normalen Leben, viele Höhen und Tiefen. Im Sommer diesen Jahres setzte ich mir in den Kopf, dass ich in den nächsten Jahren endlich meinen Traum wahr werden lasse: Einen mehrwöchigen Ultralauf absolvieren. Und damit war auch das Blog und meine Projekt: Ultralauf geboren.

Die ersten Reaktionen zeigen, dass es Menschen gibt, die es interessiert und die genauso gespannt sind wie ich, ob und wie das Projekt Ultralauf seinen Lauf nimmt. Im groben habe ich einen Zeitplan erstellt, der von einem mehrwöchigen Etappenlauf 2013 ausgeht. Dieser ist aber durch eigene Euphorie gepusht worden. Denn der Verstand ist schlauer und ich schätze mich mittlerweile als einen ziemlich verantwortungsvollen Läufer ein. Mit Verantwortung meine ich in diesem Fall: Die Verantwortung zu meinem eigenen Körper. Denn ich muss niemanden was beweisen, aber ich suche für mich Herausforderungen, die mein Leben zu etwas Wundervollem und Lebenswertem werden lassen. Ich will andere Orte, Menschen und natürlich mein eigenes Ich kennenlernen. Und so ist es auch nicht problematisch oder schlimm, wenn sich die ganze Sache um 2-3 Jahre verschiebt.

Es ist natürlich berechtigt, dass Leute fragen, was das denn mit einem Ultralauf Projekt zu tun hat. Ganz einfach: Ultraläufer fallen nicht vom Himmel und genau das will ich mit dem Projekt aufzeigen und natürlich für mich selber lernen.

Das Projekt selbst hat für mich auch gewisse Schwierigkeiten parat, denn ich bin kein Mensch, der groß nach Plänen leben kann. Das passt nicht zu meiner Natur. Damit das Projekt aber für andere nachvollziehbar ist und bleibt, habe ich mit einer groben Planung versucht. Wie lange ich eine Planung aufrechthalten kann, kann ich aber nicht versprechen. Ich liebe es eher spontan und nach Gefühl zu trainieren, ohne dabei aber grundsätzliche Trainingsaspekte aus dem Auge zu verlieren. Konkret heißt das, ich werde selten nach einem Tag mit Tempolauf noch einen Tempolauf machen. Auch gibt es nach 3 Wochen intensiveren Trainings mal eine ruhigere Woche für Körper und Geist.

Also die Sache bleibt spannend – vor allem auch für mich selbst, weil ich nicht wirklich weiß, wohin mich mein Weg treibt.

Warum gerade jetzt und hier diese Gedanken? Gestern Abend bemerkte ich ein komisches Gefühl im Hals. Na, dachte ich, hier braucht einer Pause… Und heut morgen war dann endgültig ein entzündeter Hals zu bemerken. Ist jetzt nichts Schlimmes, aber für mich ein Grund, dem Körper einige Tage sportliche Ruhe zu gönnen. Die alltäglichen Aufgaben erfordern schon genug Energie, da muss der Körper nicht noch zusätzlich geschwächt werden.

Auch wenn im ersten Augenblick der Ausspruch von Stefan Schlett (erkältet in Wörschach): “Ich bin krank, aber nit so krank, dass ich nit 24-stunden laufen könnte” etwas Heldenhaftes hat, so ist beim zweiten Hinschauen auch viel Unvernunft dabei. Deshalb verordne ich mir für die restliche Woche Trainingsverbot – ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben.

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5 Kommentare to “Ich laufe nicht”

  1. Steffen sagt:

    Also ich aus der eigenen Erfahrung (doch erher bescheiden, aber immerhin habe ich schon einen 100er absolviert) geht der prozess hin zum Ultraläufer langsam, ungeplant und unverhofft. So war es zumindest bei mir, erst Marathon, wenn das erreicht ist, was dann? War das alles? Also 50, gleich 5 mal in Folge, sogar unter 4 Stunden, war das alles? War das die Grenze, was ist die Grenze, die Pace, die Distanz, keine Ahnung. Und genau das hat mich getrieben…und jetzt bin ich bein 100 Km, flach, was folgt sind 100 Km mit entsprechend Höhenmetern, 2, ja 3 100er in 6 Wochen, und wenn das klappt, was kommt dann? 24 Stunden, 48 Stunden, keinen Plan, was mir mein Körper “gönnt”! Ich denke das ist das Entscheidende!

    LG
    Steffen

  2. Gerd sagt:

    Eine kluge Entscheidung. Vor allem, hast Du ja keinerle Zeitdruck.
    Ausser dem, den Du dir selbst machst. Das ist zwar, aus eigener leidvoller Erfahrung, der schlimmste, aber wir sind ja lernfähig.
    Ich wünsche Dir gute Besserung und die Geduld und Vernunft, die für ein solches Projekt wie Du es planst, erforderlich sind!

    Gruß Gerd

  3. Stefan sagt:

    Gerd sagt es: wenn du sowieso nicht’s Konkretes vor der Brust hast ist eine Pause sicherlich das Beste.

    Mich hat’s ja auch vor ein paar Tagen erwischt.
    Ich hoffe ja, dass du dich nicht beim Lesen in meinem Blog angesteckt hast, aber du hast ja sicherlich einen Virenscanner. ;-)

    Für dein Projekt wünsche ich dir alles Gute und viel Erfolg.
    Vielleicht sieht man sich ja mal irgendwo auf der Strecke.

  4. ultraistgut sagt:

    Überall liest man derzeit von Erkältungen, eine sehr kluge Entscheidung, ein paar Tage auszusetzen, genau das gleiche würde ich auch tun. Gesundheit ist das wichtigste, und wenn du wieder topfit bist, geht es weiter.

    Gute Besserung ! 8)

  5. Tilman sagt:

    Uff, noch hat es mich nicht erwischt. Aber es ist sicherlich nicht falsch, eine kurze Pause zu machen. Sonst geht es einem noch wie Black Sensei (http://bit.ly/wleSc). Und das will man eigentlich nicht wirklich, oder? Ansonsten finde ich das Projekt super. So weit habe ich noch gar nicht gedacht, irgendwann mal einen mehrtägigen Ultra zu laufen. Aber es arbeitet bereits in meinem Kopf…!

    Alles Gute!

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