Sport ist nie verkehrt…- Interview

Geschrieben am Samstag, 12. September 2009 von Heiko

Weiter geht es mit der Reihe: Läufer Interviews. Heut stand Hannes Christiansen mir Rede und Antwort.

Wer auch einmal Lust hat, von mir befragt zu werden, darf gern Kontakt aufnehmen oder dies in den Kommentaren hinterlassen.

Interview mit dem Läufer Hannes Christiansen

1.  Hallo Hannes, in Deinem Blog kann man Dein doch noch recht kurzes Läuferleben sehr gut verfolgen. Stell Dich dennoch mal den Lesern dieses Interviews vor.
Mein Name ist Hannes und mit 20 Jahren (Alter – nicht Lauferfahrung!) stelle ich das “Küken” unter den Laufbloggern. Gerade erst das Abitur bestanden genieße ich derzeit meinen Zivildienst auf Langeoog im Wattenmeer. Ob Nord- oder wie zuvor die Ostsee – am Meer muss ich sein. Dementsprechend bin ich im letzten Oktober nach knapp über zwei Jahren als Läufer den Marathon in Lübeck ebenfalls am Wasser gelaufen – ein schönes Erlebnis, auch wenn ich mich im Gegensatz zu einigen anderen “unter uns” auch auf den kurzen Distanzen richtig wohl fühle. Ansonsten muss man noch wissen, dass ich meine Laufstatistiken liebe – als Teilnehmer der Mathematik-Olympiade muss das wohl auch so sein.

2.  Was waren Deine Gründe mit dem Laufen anzufangen und vor allem, wie entwickelte sich der Spaß am Laufen?
Im Sommer 2006 steckte ich voll und ganz in der Vorbereitung für die Handball-A-Jugend-Oberliga – da hieß es, bei bestem Wetter durch den Strand zu sprinten oder die Medizinbälle den Berg hoch zu tragen. Diese Überwindung, die totale Anstrengung haben mich begeistert. Um meine Kondition weiter zu steigern bin ich dann auch alleine laufen gegangen – und als sportverrückter Mensch hat es mir so sehr gefallen, dass ich mich gleich zum ersten Volkslauf über 10,5 km angemeldet habe.

3.  Gerade Laufanfänger übertreiben es gern zum Beginn der Lauferei. Meist ist das Tempo zu hoch und sie überschätzen sich einfach. Gab es bei Deinen Anfängen ähnliche Situationen und wie hast Du diese gemeistert?

Durch mein junges Alter und meinen sehr guten Fitnessstand hatte ich dabei keine besonderen Probleme, zumal ich ganz zu Beginn nicht sonderlich viel trainiert habe. Ernsthafte Probleme habe ich erst im März diesen Jahres mit meinem rechten Knie bekommen. Fünf Monate habe ich gar nicht oder nur kaum trainiert und musste auf das Fahrrad oder das Schwimmbecken umsteigen – da war enorm viel Geduld gefragt. Nachträglich würde ich auch schon sagen, dass ich den Marathon im letzten Jahr nicht hätte laufen sollen. In der Jugend das Tempo, später die Ausdauer. Aber dazu später mehr.

4. Was unterscheidet Deiner Meinung nach Mannschaftssportarten vom Laufen, abgesehen von der Teamfähigkeit? Da Du ja vom Handball einer Mannschaftssportart kommst, hast Du bestimmt einige Vor- und Nachteile festgestellt.
Aufgehört habe ich mit Handball, nachdem sich zweimal wegen zu weniger und zu unzuverlässiger Spieler meine Mannschaft aufgelöst hat. Auf diese Abhängigkeit, sich auf andere verlassen zu müssen, hatte ich keine Lust mehr – zumal es in meinem Alter viele Leute gibt, auf die man sich nicht so sehr verlassen kann. Klarer Vorteil des Laufens ist also, dass man vollkommen unabhängig ist. Man kann machen was man will. Keine festen Termine, keine Vorgaben, nichts, wonach man sich richten muss. Ein Votreil für den Mannschaftssport war, dass man immer gemeinsam gekämpft hat. Man ist für andere eingesprungen, hat sich motiviert und hatte gemeinsam viel Spaß. Dahingegen kann es aber auch beim Laufen sehr schön, mal für sich mit seinen Gedanken alleine zu sein.

5.  Du bist noch ein recht junger Läufer und es ist immer wieder festzustellen, dass gerade im jüngeren Alter viele keine Lust auf das Laufen haben. Was könnten die Gründe dafür sein?
Gerade die Tatsache, dass man beim Laufen alleine ist, mag ein Problem sein. Für viele erscheint das Laufen langweilig. Nur wenige junge Menschen schätzen die Natur und die Ruhe, die man beim Laufen hat. Die wenigen, die laufen, können gar nicht ohne Musik unterwegs sein. Dadurch ist für kaum einen der jungen Menschen ein Lauf Entspannung, wie wir sie oft empfinden. Die Möglichkeit, das Laufen nicht als Genuss sondern nur als Sportart anzusehen, besteht zwar auch, aber dafür muss man sehr motiviert sein, wenn man das so alleine durchzieht. Den Willen gibt es auch nicht oft.

6.  Wie motivierst Du Dich, an schlechten Tagen und bei schlechtem Wetter Dein Training durchzuziehen?
Zunächst muss ich klarstellen, dass “schlechtes Wetter” natürlich immer im Auge des Betrachters liegt. Ein Regenschauer beim Laufen bedeutet für mich, zu spüren, dass man wirklich lebt. Natürlich gibt es aber trotzdem Tage, an denen man nicht so recht nach draußen möchte. Dann hilft es, ein Ziel vor den Augen zu haben. Irgendeinen Wettkampf habe ich eigentlich immer im Augenwinkel. Und schließlich ist man sich auch bewusst, dass man spätestens nach dem Lauf froh ist, es getan zu haben – egal wie schlecht die Bedingungen waren.

Hannes Christiansen

Hannes Christiansen

7.  Gerade in Deinem Alter kann man trainingstechnisch noch einiges an Tempoarbeit machen, um die Grundschnelligkeit zu verbessern. Hast Du eher Lust, Dein Tempo auf kurzen Strecken zu verbessern oder schielst Du schon gern auch auf die langen Strecken?
Diese Tatsache habe ich leider viel zu spät beachtet. Erst seit meinem Marathon bin ich der Ansicht, man muss den wirklich nicht so früh laufen, obwohl alles wunderbar lief. Da ich mich sehr gerne komplett verausgabe, liebe ich die kurzen Distanzen (3.000m) und habe sehr viel Spaß an Intervalltrainings. Dennoch bin ich bisher am häufigsten auf der 10-km-Strecke unterwegs gewesen. Im Training gefällt es mir eben doch zu sehr, möglichst lange die Seele baumeln zu lassen.

8. Was sind Deine Motivationstipps für Menschen in Deinem Alter, die nicht verstehen warum es Typen gibt, die Freude am Laufen haben?
Man muss es einfach mal ausprobieren. Gerade heutzutage ist man viel zu wenig in der Natur. Durch die viele Arbeit im Alltag ist das Laufen eine super Möglichkeit, um Stress abzubauen, egal ob man für das Abitur lernt oder bei der Arbeit Überstunden macht. Frische Luft hat bisher immer gut getan, Sport ist nie verkehrt und egal ob man an nichts denken will (Tempolauf) oder die Gedanken ordnen will (lockerer Lauf) – beim Laufen ist alles möglich. Letztlich gibt dann auch noch die Gewissheit danach, dass man etwas getan hat, Selbstvertrauen.

9.  Wie wichtig ist Dir eine Planung Deines Trainings und könntest Du Dir auch ein Training ohne genaue Planung vorstellen?
Ich bin weniger der spontane Typ. Als Mathematiker bin ich ein Mensch der Ordnung – so brauche ich auch bei meinem Training eine gewisse Ordnung und Planung. In der optimalen Vorbereitung besteht die also aus einem kompletten Trainingsplan. Derzeit bin ich hingegen aber noch bei meinem Wiedereinstieg. Dabei ist mir die genaue Planung nicht so wichtig. Vorerst bin ich froh, überhaupt wieder schmerzfrei laufen zu können.

10. Wenn Du möchtest darfst Du an dieser Stelle mal kurz Dein eigenes Blog vorstellen.
Läufer teilen ihren Spaß an der Bewegung gerne mit anderen Läufern. So mache ich es auch in meinem Laufblog. Dazu gehören Laufberichte vom Training, Berichte von den Wettkämpfen und allem, was man sonst noch als Läufer erlebt. Gerne führe ich dabei auch meine Zahlenliebe fort, jongliere mit den Statistiken und arbeite derzeit noch an einem eigenen Lauftagebuch auf PHP-Basis.

11. Vielen Dank für dieses Interview. Was ist Dein größtes sportliches Ziel in nächster Zeit?

Ich habe zu danken! Ich möchte gerne wieder so richtig zum Läuferleben zurückkehren. Kurzfristig gesehen ist das also ein kleiner Wettkampf in naher Zukunft. Langfristig gesehen stehen dann die kurzen Distanzen auf dem Plan – genaue Ziele habe ich dabei aber noch nicht.

Die bisherigen Interviews

Laufen ist eine extrem flexible Sportart (31.08.2009)
Ultra ist gut – Interview (07.09.2009)

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12 Kommentare to “Sport ist nie verkehrt…- Interview”

  1. ultraistgut sagt:

    Schön, Heiko, auch das Laufen aus der Sicht eines Lauf-Küken zu lesen.

    Mir gefällt das, was Hannes sagt und tut , und ich wünschte mir viel mehr junge Leute , die diesen Weg einschlagen.

    Danke ! 8)

  2. Evchen sagt:

    …und es ist so schön, mal aus einer anderen Sicht etwas über die Blogger zu erfahren, bei denen man bisher eh schon regelmäßig liest. Also, es ist etwas anderes, ob en Blogger selbst schreibt, was er erlebt hat oder ob er konkrete Fragen gestellt bekommt. Toll! :-)

  3. Sinusläufer sagt:

    Hi,
    ich bin durch den Link von Hannes auf deine Seite gelangt.
    Gerade für mich, der sich eher noch als Lauf- und Bloganfänger bezeichnet, sind solche Interviews wie gemacht. Eine sehr schöne Idee. :-)

  4. huobaere sagt:

    Gratulation, das ist ein bemerkenswertes Interview. Daher nochmals danke an Heiko für die exzellente Idee!
    Wüsste man nicht, dass Christian erst 19 Lenze zählt, man könnte es kaum glauben. Die Reife und Zielstrebigkeit, sei es Job oder Sport, findet man höchst selten. Auch wie er mit seiner sportlichen Zwangspause umgegangen bist, da können viele von uns noch ein schönes Stück lernen.
    Alles Gute weiterhin an die zwei Vollprofis (Heiko & Hannes) – Reinhard

  5. Heiko sagt:

    Hallo Reinhard,
    freue mich das die Idee euch gefällt. Das mit dem Vollprofi habe ich aber überlesen, denn es stimmt nicht, ich bin einer Läufer wie jeder andere Läufer auch.

    Viele Grüße

    Heiko

  6. Christian sagt:

    Hallo Heiko,

    das Interview ist sehr gut gelungen, ich habe bereits das mit Margitta gelesen und war erstaunt, wieviel Informationen da drin stecken und wie komplett das Bild nach dem Lesen ist, welches ich mir über diese Menschen gebildet habe.

    Danke Heiko und mach weiter, das ist schön zu lesen

    Salut

  7. Heiko sagt:

    Hallo Christian,

    vielen Dank für das Lob, die nächsten Interviews kommen bestimmt und hoffentlich sorgen diese weiterhin für großes Interesse bei den Besuchern meines Blogs.

    Viele Grüße

    Heiko

  8. Hendrik sagt:

    Tolles Interview, sehr lesenswert!

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  10. [...] ist eine extrem flexible Sportart (31.08.2009) Ultra ist gut – Interview (07.09.2009) Sport ist nie verkehrt (12.09.2009) Korrekt laufen – Interview (15.09.2009) // Diese Icons verlinken auf [...]

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