Ultra ist gut – Interview
Von Heiko | 7. September 2009 | Kategorie: Interviews | 9 Kommentare TweetWie im Artikel – Laufen wie kommst Du dazu – schon angekündigt, werde ich hier in regelmäßigen Abständen Läufer/innen interviewen nach Dingen, wie ihrer Motivation und wie sie zum Laufen kamen, um nur einige wenige Punkte zu nennen. Letzte Woche führte ich ein Interview mit der Läuferin – Ines Becker. Diese Woche beantwortete meine Fragen Margitta, welche auch bei einigen unter – Ultra ist gut – bekannt sein dürfte.
Wer auch einmal Lust hat, von mir befragt zu werden, darf gern Kontakt aufnehmen oder dies in den Kommentaren hinterlassen.
Interview mit Margitta vom Ultra ist gut-Blog
Hallo Margitta, stelle Dich mal den Lesern vom Laufe-Marathon Blog vor. Was war Deine größte Motivation, um mit dem Laufen zu beginnen?
Mein Name ist Margitta, im Blog-Leben, auch als ultra ist gut bekannt, in diesem Jahre feiere ich mein 30. Laufjahr-Jubiläum. Schon als Kind verspürte ich den Drang zur Bewegung draußen in frischer Luft, nutzte jede Gelegenheit, draußen zu rennen, spielen, im Winter Schlitten zu fahren. Das setzte sich immer weiter fort, bis 1979 die große Laufwelle von USA nach Europa hinüber schwappte. Das war meine Chance, mit dem Laufen zu beginnen und seitdem habe ich nicht mehr davon abgelassen. Ich bin zur leidenschaftlichen Läuferin geworden.
Hat sich für Dich im Leben was geändert seitdem Du läufst? Beschreibe mal das Lebensgefühl, das Dir das Laufen vermittelt?
Viel, ein vollkommen neues Lebensgefühl. Laufen kann zur Zufriedenheit, zum Glücklichsein, zur Ausgeglichenheit beitragen, stärkt dein Selbstbewusstsein, lehrt dich in Ausnahmefällen durchzuhalten bis zum bitteren Ende. Auch wenn du meinst, nichts ginge nicht mehr, lernst du durchzuhalten beim Laufen und im Leben überhaupt.
Ein kleines Beispiel: Wer von uns geht gerne zum Zahnarzt ? Ein unabdingbares Muss. Das änderte sich nach meinem ersten, zugegebenermaßen sehr harten 100-Kilometer-Lauf von Biel, als ich die ganze Nacht bei strömendem Regen, Blitz und Donner immer wieder neue Kräfte sammeln musste, trotz aller Widrigkeiten bis zum bitteren Ende durchzuhalten.
Dann gehst du zum Zahnarzt, legst dich entspannt auf den Stuhl und lässt dich ebenso entspannt behandeln. Nicht zuletzt, weil du weißt, ich bin stark, ich kann, wenn ich will, Schmerz ertragen, durchhalten.
Warum gerade Laufen und nicht eine andere Sportart?
Wie ich schon sagte, der Drang nach ausdauernder Bewegung in der frischen Luft, mit allen Sinnen unterwegs sein, aufnehmen, sehen, hören,riechen, fühlen.
Kann das Laufen Deiner Meinung nach dazu beitragen, dass Menschen ihr Leben wieder besser in den Griff bekommen und neuen Mut und Kraft mitnehmen, um die Aufgaben des Alltags besser zu bewältigen?
Auf jeden Fall. Nicht umsonst wird Laufen z.B. bei psychisch und/oder Alkohol-Kranken therapeutisch eingesetzt.
Eine der meist gehörten Ausreden von vielen Menschen ist, dass sie keine Zeit haben. Wie schaffst Du es, Dein Laufen, Familie, Arbeit, Alltag unter einen Hut zu bekommen?
Jeder Tag hat 24 Stunden, und ich habe am eigenen Leib erfahren, dass es durchaus machbar ist, mit Familie, Haus, Kind, Arbeit das Laufen zu einem festen Bestandteil des Lebens zu machen, wenngleich es- zumindest anfangs – immer wieder Überwindung kosten mag,nach einem anstrengenden Arbeitstag z.B. im dunklen, eisigen Winter die Laufschuhe zu schnüren und sich auf den Weg zu machen. Aber spätestens nach ein paar Minuten weißt du, dass es sich gelohnt hat. Das Gute daran, die ganze Familie profitiert von deiner Ausgeglichenheit. Ohne einen verständnisvollen Partner oder – wie in meinem Fall – auch einem Läufer – kann es allerdings – wie ich oft genug in meinem Umfeld erlebt habe, mit großen Schwierigkeiten verbunden sein.
Wenn mal keine Lust zum Laufen vorhanden ist, wie kannst Du Dich in diesen Augenblicken am besten motivieren?
Unlust kenne ich eher sehr selten, und wenn es wirklich dazu kommen sollte, dann pausiere ich einen Tag. Das wirkt Wunder !
Kennst Du ein schlechtes Gewissen, wenn mal eine Laufeinheit ausfällt?
Schlechtes Gewissen eher nicht. Aber ich versuche, regelmäßig zu laufen, wenn es einmal – aus welchen Gründen auch immer – nicht möglich ist, hole ich es am anderen Tag nach.
Wie wichtig sind Dir Platzierungen und Zeiten bei Laufwettkämpfen und nimmst Du daran überhaupt noch teil?
Eine sehr gute Frage. Sie waren mir insofern nicht wichtig, als ich nie auf Platzierung und Zeiten gelaufen bin. In meiner gesamten Laufzeit habe ich mich in meinem Können stets unterschätzt, habe mir stets weniger zugetraut als ich dann konnte, und das brachte mich immer wieder und unerwartet aufs Treppchen. Solange ich denken kann, bin ich niemals gegen Konkurrenz gelaufen, immer nur für mich selbst. Natürlich freust du dich, mit einer Platzierung und/oder Pokal nach Hause zurück zu kehren, über das zusätzliche Bekanntwerden in deiner Heimatstadt via Presse-Berichten nicht minder.
Was sind Deine Motivationstipps für Nichtläufer und Sportmuffel?
Es gab Zeiten, da versuchte ich aus meiner Euphorie heraus jeden, der mir über den Weg lief, von den vielen, vielen Vorzügen des Laufens zu überzeugen. Doch die Erfahrung belehrte mich eines anderen. Sportmuffel sind nicht zu überzeugen. Bei Menschen allerdings, die sich an deiner Art von Bewegung beginnen ernsthaft zu interessieren, kann ich meine missionarische Ader ausleben und bin dabei kaum zu bremsen. Nicht umsonst leite ich Laufkurse für Anfänger, von denen viele bis zum heutigen Tage mit Freude dabei geblieben sind.
Hast Du beim Marathon und längeren Strecke schon einmal den Mann mit dem Hammer getroffen oder besser: Hat er Dich erwischt? Wenn ja, wie hast Du diesen toten Punkt überwunden?
Natürlich, besonders bei den langen, langen Kanten. Hätte ich jedes Mal nachgegeben, wäre es wohl bei einem Ultra geblieben. Wenn dir alles weh tut, dir vielleicht auch noch hundsübel ist, dann fällt es schwer, sich zu motivieren. Aber dann schaltet sich dein Kopf ein und sagt dir eindringlich: ” Das bist du, die diese Strecke laufen wollte, du kannst sofort aufhören, wenn du willst, hier auf der Stelle “. Und du tust es nicht, weil du im Laufe der Jahre gelernt hast, es geht immer wieder weiter,auch wenn du das Gefühl hast, nichts ginge mehr. Es ist immer wieder erstaunlich, wozu der Mensch in der Lage ist. Er kann viel mehr, als er je gedacht hat.
Was unterscheidet Deiner Meinung nach den normalen Marathon von Ultradistanzen, außer die Entfernung?
Schwierige Frage, die ich nicht beantworten kann !
Was war bisher das schönste Lauferlebnis in Deiner Laufkarriere und gab es auch schon mal einen richtig schlechten Lauf, den Du für immer aus den Kopf streichen möchtest?
Ein schönstes Lauferlebnis habe ich nicht. Alle Läufe, die ich im Laufe der Jahre hinter mich gebracht habe, vermittelten mir Freude auf ihre Weise. Einen Lauf, den ich für immer aus dem Kopf streichen möchte, gibt es nicht.
Wie schätzt Du die Laufszene allgemein in Deutschland ein?
Es ist schön, dass immer wieder Menschen zum Laufen finden. Allerdings erlebe und erlebte ich es oft genug, dass Menschen vom Lauffieber gefangen wurden, im übertriebenen Maße ihren Körper malträtierten, um für sie utopische Zeiten zu erreichen und es damit endete, dass sie die Laufschuhe für immer in die Ecke warfen, da sie nicht gelaufen sind, weil es ihnen gut tat und Freude bereitete, sondern weil sie ihre ehrgeizigen Ziele nicht erreichten.
Wieviel Technik braucht unsere Lieblingsbeschäftigung Laufen wirklich? Läufer tragen halbe Computer am Arm und es geht nur noch nach Zeiten, Puls usw. Ist es nicht wichtiger, den eigenen Körper zu spüren und kennenzulernen?
Da ich in einer Zeit mit dem Laufen angefangen habe, in der es kaum Hilfsmittel gab wie in der heutigen Zeit,war es aus meiner Sicht leichter, Zeitgefühl zu entwickeln, so dass ich in der Lage war, ohne Uhr (ich laufe im übrigen an Veranstaltungen immer ohne !) in einem gleichmäßigen Tempo zu laufen. Das gleiche gilt für den Puls, den ich auch heute noch fast genau ohne Pulsuhr bestimmen kann.
Wenn Du möchtest, darfst Du an dieser Stelle mal kurz Dein eigenes sehr gutes Blog vorstellen.
Dann kam der Weg ins Internet, meine erste selbst erstellte Homepage, die mich als Unwissende viel Schweiß gekostet hat und im Laufe der Jahre immer verbessern konnte. Und dann kam der Blog, eine – wie ich meine – ideale Weise, wie man seine Lauffreude via Internet mit anderen teilen kann. Ich liebe es, über meine alltäglichen Läufe und Lauferlebnisse zu berichten, am liebsten – so es geht -mit gerade erfrischtem und mit Sauerstoff angereichertem Hirn – sprich – direkt nach dem Laufen.
Wie findest Du Idee vom Laufe Marathon Blog, verschiedene Läufer über Ihre Motivation zum Laufen zu befragen?
Genial! Super Idee!
Vielen Dank für dieses Interview. Was wünschst Du Dir für die nächste Zeit für Dich im läuferischen Bereich?
Gesundheit! Danke an dich!


*schwärm* Vielen lieben Dank! Heiko an Dich für die schöne Idee und Margitta, daß Du Dich so einem Interview zur Verfügung stellst.
Ihr habt recht, es ist für andere Läufer seeehr interessant!
Danke, Heiko !
Heiko, das ist eine sensationell gute Idee. Und wer wäre für den Auftakt deiner Interviewserie besser geeignet als Margitta.
Interessant, denn ich glaubte sie schon recht gut zu kennen. Aber das ist bei Frauen wahrscheinlich nie der Fall. Sie ist und bleibt ein liebenswürdiger Mensch und es war spannend mehr von ihr zu erfahren!
Bin schon gespannt auf dein nächstes “Opfer” – Reinhard
Hallo Heiko,
ein wunderbares Interview einer wunderbaren Läuferin.
Deine Idee mit den Interviews ist wirklich klasse.
Ich würde Deinen Blog gerne bei uns verlinken:
http://www.runningfreaks.de
Spricht da etwas dagegen?
LG
Steffen
Hallo Steffen,
es spricht nichts dagegen und ich würde mich sehr freuen. Die Runningfreaks habe ich auch gerade hier verlinkt.
Gruß Heiko
Hallo Heiko,
freut mich, dann mal weiterhin schöne Beiträge!!!
LG
Steffen
Auch dieses Interview ist wirklich lesenswert – vor allem thematisch passt das gerade sehr gut zu deinem Vorhaben. Da kannst du noch etwas lernen
Hallo Heiko, eine tolle Idee, Margitta zu interviewen! Ich durfte schon öfter mit ihr gemeinsam laufen. Das hat immer viel Freude gemacht und ich konnte immer noch viel von ihr lernen.
Viele Grüße
Ramona
Hallo Ramona,
schön, dass die Idee bei Euch sehr gut ankommt.
Viele Grüße
Heiko