Laufen ist eine extrem flexible Sportart

Wie im Artikel – Laufen wie kommst Du dazu – schon angekündigt, werde ich hier in regelmäßigen Abständen Läufer/innen interviewen nach Dingen wie ihrer Motivation und wie sie zum Laufen kamen, um nur einige wenige Punkte zu nennen. Als erstes kommt die Läuferin Ines Becker aus Duisburg zu Wort.

Wer auch einmal Lust hat, von mir befragt zu werden, darf gern Kontakt aufnehmen oder dies in den Kommentaren hinterlassen.

Interview mit der Läuferin Ines Becker aus Duisburg

Hallo Ines, stell Dich mal den Lesern vom Laufe-Marathon Blog vor.

Mein Name ist Ines Becker. Ich bin Projektleiterin im Einkauf eines Stahlkonzerns und begeisterte Marathonläuferin.

Wie bist Du zum Laufen gekommen, welche Motivation trieb Dich in die Laufschuhe?

Vor vielen Jahren veranstaltete das Unternehmen, in dem ich damals ein Praktikum machte, einen 10 km Lauf.
Da dachte ich mir: “Warum es nicht mal ausprobieren?” Als mein Mann dann noch meinte: “Das schaffst Du nicht”, war mein Ehrgeiz geweckt und so startete ich nach nur einem Trainingslauf bei diesem Lauf und bewältigte ihn in 01:01. Über die 1 Minute über der (damals) magischen 1 Stundengrenze war ich etwas enttäuscht. Von der Laufveranstaltung allerdings begeistert und so blieb ich beim Laufen.

Was hat sich für Dich im Leben geändert seitdem Du läufst? Fühlst Du Dich frischer, fitter oder ist es vielleicht sogar ein komplett neues Lebensgefühl?

Das Laufen gehört für mich seit ca. 7 Jahren zum Alltag. Ich kann es mir gar nicht vorstellen, nicht mehr zu laufen. Da ich sehr abwechslungsreich trainiere (unterschiedliche Trainingspläne, unterschiedliche Ziele, mal im Verein mit Freunden, mal alleine, meistens morgens, im Verein dann auch mind. 1 pro Woche abends etc. ) wird es auch nie langweilig. Morgens hilft mir das Laufen, auf die Beine zu kommen und mich auf die Herausforderungen des Berufsalltags vorzubereiten, abends hilft es mir, zur Ruhe zu kommen. Mal ist das Laufen eher meditativ, mal ist eine Form der Geselligkeit, des Lachens und Zusammenseins mit Freunden…

Könntest Du Dir vorstellen, irgendwann wieder mit dem Laufen aufzuhören oder ist es mittlerweile ein Teil Deines Lebens geworden?

Im Leben kann vieles passieren – deshalb sage ich nie “Nie”. Es kann auch sein, dass ich mal nicht laufen werde, aber irgendwie kann ich es mir heute nicht vorstellen – so ganz ohne Laufen…..

Viele Menschen klagen darüber, dass sie keine Zeit zum Sport treiben hätten – eine Ausrede, die ich nicht gelten lasse. Wie schaffst Du es, Dein Training und die Wettkämpfe ins alltägliche Leben zu integrieren?

Ich frage diese Menschen dann, womit sie denn ihre Zeit verbringen? Jeder hat 24 h pro Tag – die Frage ist nur, wie wir sie nutzen. Auch ich habe einen anstrengenden Beruf mit sehr langen Arbeitstagen, vielen Reisen etc. Laufen ist eine extrem flexible Sportart, die wir fast rund um die Uhr und überall betreiben können. Auf Geschäftsreisen laufe ich z.B. früh morgens und auch am Wochenden starten wir häufig sehr früh, um möglichst wenig Zeit mit unseren Partnern und Familien zu verlieren. Wenn ich dann mit frischen Brötchen am Samstag nach Hause komme, kann das Wochenende beginnen….

Das einzige,  wozu ich keine Zeit habe, ist das Rumsitzen auf dem Sofa vor dem Fernsehen – dafür ist mir meine Lebenszeit echt zu schade….

Jeder Läufer kennt auch Phasen, in denen man nicht wirklich Lust hat, die Laufschuhe zu schnüren. Wie motivierst Du Dich in solchen Phasen?

Mit Zielen. Ich versuche immer einen Wettkampf als Ziel zu haben. Mal ist es der Marathon, dieses Jahr war es der Rennsteig, nun ist es ein Duo-Marathon im September. Dazu gibt es stets einen Trainingsplan und schon hast du eine Motivation. Außerdem trainiere ich ja im Verein – da kann ich mich zu den unangenehmen Dingen, wie Bahntraining, 3,5 h Läufen etc. einfach verabreden.

Sind für Dich Zeiten beim Laufen wichtig oder ist es das Erleben der Natur und des eigenen Körpers, das Dich fasziniert?

Je nachdem. Im Wettkampf zählt schon die Zeit, wobei ich dieses Jahr den Rennsteiglauf als einen reinen Spaß-, Erlebnis- und Durchhalten-ist-alles Lauf gesehen habe und in der Vorbereitung just vor fun zwei Marathons gelaufen bin – es waren alles tolle Erlebnisse. Als Belohnung bin ich danach auch einige Wochen locker gemacht, um die Natur zu erleben etc. Aber irgendwann packte mich doch der Ehrgeiz wieder – was folgte waren Anmeldungen zu Wettkämpfen und damit verbunden, dann auch das “andere” Training… Das Erleben der Natur funktioniert bei einem Lauf in 5 km Tempo dann kaum noch.

Du trainierst in einem Verein. Was sind Deiner Meinung nach die Vorzüge eines Vereins gegenüber eines Alleinläufers?

Laufen ist ein Individualsport – trotzdem ist es toll, dabei nicht alleine zu sein. Erstens habe ich im Verein einen professionellen Trainer: wenn der sagt heute steht 8X1000m Bahntraining auf dem Programm, wird es halt gemacht. Danach fühle ich mich ja auch (meistens) toll… Zweitens kann ich mich permanent mit anderen messen und weiß dadurch, wie es um mich steht. Drittens macht das Laufen in der Gruppe einfach mehr Spaß!!!

Was sind Deine Motivationstipps für Nichtläufer und konntest Du in Deinem Umfeld tatsächlich schon Menschen von den Vorzügen des Laufens überzeugen?

Ich habe schon einige zum Laufen gebracht. Das Geheimrezept heißt, die Leute zu Spaßwettkäpfen, wie z.B. Staffelläufe bei den Marathons oder kurze Firmenläufe oder der Womens Run zu überreden. Viele bleiben dann auch beim Laufen. Allen Nichtläufern sage ich: Ihr müsst es mal probieren. Ich glaube nämlich, dass wir die Begeisterung am Laufen nur durch das Laufen selber bekommen können.

Hast Du beim Marathon schon einmal den Mann mit dem Hammer getroffen oder besser hat er Dich erwischt? Wenn ja, wie hast Du diesen toten Punkt überwunden?

Ja, dem Mann mit dem Hammer bin ich schon mehrmals begegnet, sogar schon bei km 23 in einem Marathon. Die Devise heißt dann: Ich laufe nur noch bis zur nächsten Verpflegungsstation und dann wieder zur nächsten etc. So bin ich mehrmals durchgekommen. Allerdings waren die Zeiten in diesen Fällen nie die besten…

Wie findest Du die Idee vom Laufe Marathon Blog, verschiedene Läufer über ihre Motivation zum Laufen zu befragen?

Gut, weil so auch wir “Normalos” erzählen können. P.S. sonst hätte ich auch nicht mitgemacht

Vielen Dank für dieses Interview. Was ist Dein größtes läuferisches Ziel in nächster Zeit?

100km von Biel nächstes Jahr
Viele Grüße Ines

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5 Kommentare zu “Laufen ist eine extrem flexible Sportart”

  1. ultraistgut sagt:

    Interessant dieses Interview, zu lesen, wie andere zum Laufen gekommen und warum sie dabei geblieben sind, ihre Motivationen, ihre Gründe, weiter zu machen.

    Meine Antworten würden ein wenig anders lauten, darum stelle ich mich gerne für solch ein Interview zur Verfügung.

    Gute Idee ! 8)

  2. Heiko sagt:

    Danke! Die Idee kommt auch sehr gut an und die nächsten drei Interviews stehen schon in den Startlöchern. Und Margitta, Dein Angebot nehme ich gern an, Du bist schon notiert und in den nächsten Tagen werden einige Frage den Weg zu Dir finden. Bin schon jetzt gespannt.

  3. Hannes sagt:

    Ein wirklich interessantes Interview. Für jeden ist der Weg verschieden und doch ähneln sich die Erzählungen immer wieder.

  4. Evchen sagt:

    Oh, herrlich! Köstlich! Ich trinke in gierigen Schlucken diese Läufergeschichten. Eine klasse Idee, Heiko! *schwärm*

    @Margitta: Ich auch. ;-)

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